Feminismus in Tech – Marie Kochsiek (Lightning Talk 2017)

Marie Kochsiek verrät uns in ihrem Talk ihr Geheimrezept, wie und wo Feminismus und Tech für sie zusammenpassen. Sie sagt: Feminismus bietet Ideen an, wie man Unebenheiten und Unfairness in unserer Gesellschaft ausbügeln kann.

Dazu gehört für Marie unter anderem, dass Technik in Zukunft noch viel mehr Input von anderen Disziplinen und dem eigenen persönlichen Interesse und Wissen benötigt. Nicht nur Menschen mit Informatik-Studium gehören hier hin – egal ob Soziologie, Jura, Biologie oder andere Backgrounds, alle sollen „Bock auf Technik“ bekommen, dort ihren Spieltrieb ausleben können und ganz im Sinne von DIY einfach anfangen, ohne sich von Bedenkenträger*innen abbringen zu lassen.

Umgekehrt sieht sie auch alle Auskenner*innen in der Pflicht, im Sinne von „sharing is caring“ ihr Tech-Wissen in das eigene nicht-technische Umfeld zu tragen: Auch Opa und Oma sollen verschlüsselt kommunizieren können.

Feminismus und Technik gehören für Marie genauso zusammen wie Honig und Salz (lecker!). In ihrem Soziologie-Studium hat sie sich mit dem Einfluss von Menstruations-Tracking-Apps auf Nutzende beschäftigt. Mittlerweile entwickelt sie mit zwei weiteren Entwicklerinnen die Open Source App drip, um Menstruations-Tracking transparenter und sicherer zu machen. Sie ist Teil des feministischen Hackspace Heart of Code und auf Cryptopartys spricht sie am liebsten über gute Passwörter. Passwortmanager und Menstruations-Cups hält sie für eine der besten Erfindungen überhaupt.

Unser Verhaltenskodex und unser Aushang „Deine Rechte“

Mit unserem Claim „Mit Code die Welt verbessern“ machen wir bereits auf unseren Veranstaltungen sehr deutlich, in welche Richtung wir gemeinsam mit euch denken und gehen wollen. Diese Vision einer besseren Gesellschaft zeigt sich deutlich in den von euch entwickelten Projekten und Prototypen, in vielen Keynotes und Lightning Talks und auch in unserem gemeinsamen Umgang miteinander – auf den Events und im Leben allgemein.

Als Grundlage dafür haben wir uns einen Verhaltenskodex, einen sogenannten Code of Conduct gegeben, der unter anderem folgendes enthält:

„Wer die Welt verbessern möchte, kann sich nicht für Ungleichheiten jedweder Art einsetzen. Deswegen achten wir bei unseren Veranstaltungen auf gegenseitigen Respekt und versuchen jede Diskriminierung – ob durch unterschiedliche Herkunft, sexuelle Ausrichtung, unterschiedliche Skill-Levels usw. – zu erkennen und aktiv zu begegnen.“

Ebenso sind wir der Hacker*innen-Ethik des CCC verbunden, dort findet sich ein thematisches Pendant:

„Beurteile einen Hacker nach dem, was er tut, und nicht nach üblichen Kriterien wie Aussehen, Alter, Herkunft, Spezies, Geschlecht oder gesellschaftliche Stellung.“

Es geht also um ein gutes Miteinander, ein gegenseitiges Respektieren und um eine gesunde Diskussionskultur. Und wer schon einmal in den letzten Jahren auf einem Jugend hackt Event war, hat sicherlich auch unseren „Deine Rechte“–Zettel entdeckt.

Dort stehen eure Rechte und damit auch kleine Regeln für den gemeinsamen Umgang miteinander. Denn diese Rechte zeigen gleichzeitig auch Grenzen auf – Grenzen, die wichtig sind und von allen Menschen respektiert und eingehalten werden sollten.

Uns erreichten in den vergangenen Monaten des Öfteren Anfragen, ob dieser Aushang für andere Veranstaltungen genutzt werden kann. Unsere Antwort: unbedingt! Es ist uns ein großes Anliegen, diese eigentlich doch ganz normalen Grundlagen des guten Miteinanders mit der Welt zu teilen. Wir verdanken den Text dem Netzwerk Tabubruch.org – vielen Dank an Holger Specht für die perfekte Vorlage.

Den Text des Verhaltenskodex könnt ihr gerne als Basis für einen eigenen Aushang verwenden:

  1. Du hast das Recht, Deine eigene Meinung und Deine Vorschläge einzubringen.
  2. Du hast das Recht, selbst zu bestimmen, wann, wo und von wem Du fotografiert oder gefilmt werden willst.
  3. Du hast das Recht, fair behandelt zu werden. Niemand hat das Recht, Dir zu drohen oder Dir Angst zu machen. Egal ob mit Blicken, Worten, Bildern, Spielanleitungen oder Taten! Niemand darf Dich erpressen, Dich ausgrenzen, abwertend behandeln oder schlagen.
  4. Du hast das Recht, selbst zu bestimmen, wie nahe Dir jemand wann, wie und wo kommt. Niemand darf Dich gegen Deinen Willen berühren, massieren, streicheln, küssen, Deine Geschlechtsteile berühren und drängen, das mit jemand anderen zu tun.
  5. Du hast das Recht, NEIN zu sagen und Dich zu wehren, wenn jemand Deine Gefühle oder die von jemand anderen verletzt! Du kannst NEIN sagen mit Blicken, Worten oder durch Deine Körperhaltung.
  6. Du hast das Recht, nicht mit zu machen, wenn Dir ein Spiel Angst macht, Du etwas eklig findest oder Du Dich unwohl dabei fühlst. Das können Mutproben, Überfälle oder erniedrigende oder angstmachende Traditionen sein.
  7. Du hast das Recht, Dir Unterstützung bei Anderen zu holen. Wenn Du Dich unwohl fühlst oder es Dir schlecht geht, ist Hilfe holen kein Petzen und kein Verrat.

Fakenews-Netzwerke mit der Twitter-API aufspüren – Michael Kreil (Lightning Talk 2017)

Michael Kreil ist (wie Kira Schacht) Datenjournalist und unterstützt uns bereits seit 2013 immer wieder als Mentor. In seinem Kurzvortrag zeigt er, was man mit der Datenschnittstelle von Twitter, der sogenannten API, alles anstellen kann – am immer noch sehr aktuellen Problem von Fakenews, also viral verbreiteten Falschmeldungen, über die vor allem populistische Parteien politisch Stimmung machen.

Am Anfang von Michaels Arbeit steht die Frage: Wie hängen die Twitter-Accounts zusammen, die eine Falschmeldung verbreiten? Am Ende entsteht aus den Daten eine interaktive Visualisierung, an der man genau ablesen kann, wie eine Fakenews-Kampagne funktioniert hat.

Die nötigen Arbeitsschritte: Zunächst muss man die relevanten Daten über die API einsammeln, was dank existierender Twitter-Libraries für nahezu jede Softwareumgebung relativ einfach ist. Danach folgt eine erste Analyse der Daten in Excel und die Erzeugung eines Graphs, der die Beziehungen zwischen den Twitter-Accounts darstellt. Mit diesen Daten kann das Tool Gephi eine erste Visualisierung berechnen. Nach einigem Finetuning der Parameter baut Michael zum Schluss eine interaktive Anwendung mit der Javascript-Library D3.js.

Zum Talk gibt es auch Michaels Folien zum Download.