Wir wollen dich: Diversity-Plätze bei Jugend hackt

Wir freuen uns, dass schon die ersten Bewerbungen auf unsere vielen Events dieses Jahr hereinflattern. In dem Zuge wollen wir uns nochmal die Zeit nehmen, um mit euch über etwas zu reden, das uns sehr am Herzen liegt: Technik bereichert unseren Lebensalltag und hat das Potenzial, unsere Gesellschaft zu stärken und zu verbessern. Jedoch sieht die Technik- und Programmier-Community nicht so vielfältig aus, wie unser Zusammenleben tatsächlich ist.

Das liegt an vielen verschiedenen Dingen, zum Beispiel auch daran, dass schon als Kinder viele Jungen mit technischem Interesse gefördert werden. Dagegen müssen sich viele Mädchen, die Technik mögen, erst durchsetzen. Auch wie viel Zeit und Geld eine Familie hat, hat viel Einfluss darauf, wie leicht man es in der Schule hat, und wie stark eigene Interessen gefördert werden. Wer also nicht so viel Zeit, Geld oder Unterstützung hat, hat oft weniger Möglichkeiten, sich mit Technik zu beschäftigen, auch wenn das Interesse dafür da ist.

Foto: Leonard Wolf, Lizenz: CC BY 4.0

Wir bei Jugend hackt wollen es gerne allen technikbegeisterten Jugendlichen möglich machen, Teil dieser Community und unserer Events zu werden! Deswegen haben wir dieses Jahr wieder für alle Events Diversity-Plätze reserviert. Das bedeutet, wir halten bei der Anmeldung bewusst Plätze frei für Jugendliche, denen wir mehr Zugang zu Technik und Programmieren ermöglichen wollen, den sie in ihrem Alltag nicht haben.

Junge Menschen, die weniger Zugang zu Technik oder Chancen zum Programmieren lernen haben, können zum Beispiel Mädchen, Jugendliche mit Fluchterfahrung, Jugendliche mit Behinderung oder Jugendliche mit einem Migrationshintergrund sein. Oder Jugendliche, die aus ganz anderen und unterschiedlichen Gründen in unserer Gesellschaft eher benachteiligt werden.

Eure Ideen und euer Interesse an Technik sind sehr wertvoll und wichtig für uns und die Gesellschaft und wir freuen uns, wenn ihr sie auf unseren Events verwirklichen könnt!

Wenn du denkst, dass ein Diversity-Platz etwas für dich ist und du Lust auf die Teilnahme an einem oderer mehreren der Jugend hackt-Events hast oder du andere Jugendliche kennst, auf die das zutreffen würde, dann schreib uns doch eine E-Mail an diversity@jugendhackt.org!

Events haben wir übrigens in Köln, Rostock, Frankfurt am Main, Schaffhausen in der Schweiz, Hamburg, Berlin, Heidelberg, Halle/Saale und Ulm – hier ist die Übersicht. Die Events in Berlin, Hamburg, Ulm, Rostock, Heidelberg und Schaffhausen sind entweder komplett oder teilweise barrierefrei. Für Frankfurt haben wir leider noch keine Angaben und die Events in Köln und Halle werden leider nicht barrierefrei sein. Falls du besondere, barrierefreie Maßnahmen benötigst, setze dich gerne mit uns in Verbindung und wir überlegen gemeinsam, wie wir deine Teilnahme am besten gestalten können!

Warum wir denken, dass das wichtig ist, kannst du in unserem Code of Conduct nachlesen.

Du bist dir noch nicht sicher, ob Jugend hackt das Richtige für dich ist? Dann lass dich von unseren Teilnehmer*innen Rebecca, Mareike und Abraham überzeugen:

Metawahl: Wahl-o-Mat im Remix – Vincent Ahrend (Lightning Talk 2019

Der Wahl-O-Mat ist ein tolles Tool der Bundeszentrale für politische Bildung: Schon seit 2002 hilft er vor wichtigen Wahlen bei der persönlichen Entscheidung, bei welcher Partei man das Kreuzchen setzen sollte. Nach der Wahl verschwinden die aus den Parteiprogrammen gewonnenen Fragen und Antworten wieder. Schade, sagt der Entwickler Vincent Ahrend, denn damit kann man noch einiges mehr machen.

Er hat sich die Daten des Wahl-O-Mats über die Jahre rechtzeitig gespeichert und kann damit nachvollziehbar machen, bei welchen politischen Themen Parteien mit der Zeit (oder je nach Bundesland und Wahl) ihre Einstellung ändern – zum Beispiel bei der Förderung des öffentlichen Nahverkehrs oder beim Religionsunterricht.

Vincents Projekt Metawahl kann aber noch mehr: Als zweite Datenquelle fügt er die öffentlichen Wahlergebnisse hinzu und bringt damit die wichtigsten Themen der Wahl mit ihrem Ausgang zusammen. Dadurch lassen sich ganz neue Aussagen über das Wahlverhalten über die Jahre treffen. An die Datensätze zu kommen ist nicht ganz einfach, da sie meistens nicht praktisch maschinenlesbar vorliegen. Mit eigenen Tools (sogenannten Webscrapern) und Handarbeit sammelt Vincent sie im Web für Metawahl zusammen.

Hier gibt es auch noch ein Interview mit Vincent bei den Demokratielaboren.

Das Video bei Youtube und auf media.ccc.de.

Jugend hackt und hello world

Die entscheidende Information gleich zu Beginn: hello world, das bisherige Programm von Jugend hackt für Einsteiger*innen, wird eigenständig. Ab sofort hat hello world eine eigene Webseite und wird mit neuen Angeboten und Standorten wachsen. Dafür gibt es gute Gründe – zur Erklärung müssen wir aber kurz etwas ausholen und die Entstehungsgeschichte von hello world aufschreiben

Seit der Gründung von Jugend hackt im Jahr 2013 haben wir ein buntes Haus für Jugendliche errichtet, die mit Code die Welt verbessern möchten. Was das genau bedeutet, haben wir immer wieder überprüft, neu gedacht und erweitert.

Schon früh haben wir unsere Kernzielgruppe festgelegt und auch erreicht: Jugendliche, die bereits ein (meist selbst beigebrachtes) technisches Verständnis haben und die damit Gesellschaft gestalten möchten. Gleichzeitig haben uns schon immer Jugendliche besucht, die wenig bis gar keine Erfahrung mit Programmieren und Co. haben. Diese haben wir nicht aktiv gesucht, aber auch nie ausgeschlossen. Uns war es immer wichtig, möglichst inklusiv und offen für alle zu sein. Auf den Events konnten wir das durch unsere vielen tollen ehrenamtlichen Mentor*innen, die häufig auch bei anderen Coding-Einsteiger*innen-Initiativen aktiv sind, auffangen.

Dennoch wurde deutlich, dass es für diese Zielgruppe eigene Formate und Methoden braucht, die wir nicht so einfach nebenbei entwickeln konnten. Wir waren lange auf der Suche nach Ansätzen, die unseren Anspruch erfüllen, Coding für Einsteiger*innen als Chance zur gesellschaftlichen Mitgestaltung zu vermitteln, nicht nur als Befähigung für zukünftige Jobs.

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Anna Henatsch

Glücklicherweise kam 2016 das Land NRW mit der Anfrage auf uns zu, ob wir ein solches Angebot entwickeln möchten. Mit unserem Kooperationspartner, der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW, die bereits das jährliche Jugend hackt in Köln veranstaltete, war der natürliche Partner für die Entwicklung des Einsteiger*innenformats schnell gefunden. Dank der Förderung durch das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen konnte das Projekt “Jugend hackt: hello world” im Jahr 2017 starten. Die Kolleg*innen haben seitdem rund 100 Workshops durchgeführt, Methoden als OER veröffentlichtd und vielfältige Erfahrungen gemacht, wie Coding, Making und Robotik an Einsteiger*innen vermittelt werden können. Auch in Österreich wurde 2017 ein hello world Standort gegründet. In Linz finden in Kooperation mit der Stadtbibliothek seither alle zwei Wochen Workshops statt. Weitere Orte im deutschsprachigen Raum sind in Planung.

Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass dies zwar ein schöner und sinnvoller Ausbau unseres Hauses ist, die Zielgruppen von Jugend hackt und der Angebote von hello world sich dabei aber deutlich unterscheiden – mit hello world als regionalem Einstiegs-Angebot in der Jugendarbeit und Jugend hackt für Fortgeschrittene im deutschsprachigen Raum.

Parallel entwickeln wir im Jugend hackt-Netzwerk gerade die Jugend hackt-Labs, ein dauerhaftes Angebot für unsere Kernzielgruppe, erstmal an zwei Orten in Deutschland. Dies erfordert – neben den stetig wachsenden Anzahl an Hackathons und den internationalen Aktivitäten wie Vernetzte Welten zusammen mit dem Goethe-Institut – die gesamte Aufmerksamkeit von Jugend hackt, ebenso wie hello world als Programm ganze Aufmerksamkeit verdient hat.

Um diese unterschiedlichen Entwicklungen und Ansätze auch nach außen zu tragen, bekommt hello world daher ab sofort einen eigenen Auftritt: www.hellohelloworld.org, sowie auf Twitter und Instagram.

Aus “Jugend hackt: hello world” wird: “hello world”. Mit einem neuen Design und einer eigenen Homepage wird hello world eigenständig und erweitert außerdem das eigene Angebot. Neben jährlich 40 Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren, die einen spielerischen Einstieg in die Welt der Technik vermitteln, entstehen Schulungsangebote für pädagogische Fachkräfte. Dabei geht es um die Vertiefung spezieller Themen wie etwa dem Einsatz von 3D-Druck in der Jugendarbeit, Praxisprojekten mit Mikrocontrollern für Kinder und Jugendliche oder einen Überblick über verschiedene programmierbare Roboter und entsprechende Methoden. Zudem entstehen aktuell längerfristige Kooperationen mit außerschulischen Bildungseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen, in denen wiederkehrende Angebote von hello world etabliert werden. Im Mai findet parallel zu Jugend hackt in Köln wie schon im letzten Jahr ein zweitägiger Hackathon von hello world für Einsteiger*innen statt.

Dabei bleiben beide Projekte enge Netzwerkpartner und arbeiten auch in Zukunft Hand in Hand. Schon jetzt sind zahlreiche Freundin*innen von Jugend hackt dabei, die Angebote von hello world auch in ihren Heimatregionen zu verwirklichen. Dafür schafft das hello world-Team von Köln aus eine neue Plattform und freut sich auf regen Austausch.

Als Berliner Team konzentrieren wir uns weiter auf unser Kernangebot und die vielen Ecken im Haus, die es noch auf- und auszubauen gilt. Wir freuen uns sehr, dass die Fachstelle Jugendmedienkultur NRW damit das ganze Projekt übernimmt, wünschen frohes Richtfest und einen tollen Start für hello world!