Jugend hackt erhält den Deutschen Engagementpreis

Foto: David Ausserhofer

Foto: David Ausserhofer

Vergangene Woche erhielten wir eine besondere Auszeichnung: Rita Süssmuth hat in einer fantastischen Laudatio begründet, warum Jugend hackt das auszeichnungswürdige Projekt in der Kategorie „Demokratie stärken“ ist, und uns den Deutschen Engagementpreis überreicht. Für den „Preis der Preise“ sind rund 600 Wettbewerbe, die zivilgesellschaftliches Engagement fördern, vorschlagsberechtigt – wir hatten letztes Jahr den medienpädagogischen „Dieter-Baacke-Preis“ erhalten und wurden von dort weitergereicht.

Foto: David Ausserhofer

Foto: David Ausserhofer

Es war ein besonderer Abend für uns, im Deutschen Theater mit Menschen zu sitzen, die sich teilweise seit Jahrzehnten ehrenamtlich engagieren und damit wahnsinnig wertvolle Projekte ermöglichen. Und auch die gesamte Preisverleihung im Rahmen einer umwerfenden Bühnenshow, mit tollen Einlagen von gefühlvollen Tänzern, rockigen Space Girls und einer bitterbösen und deshalb umso unterhaltsameren Kabaretteinlage war sehr gelungen. Wir fühlten uns wirklich wohl! Und auch das anschließende Gespräch mit Rita Süssmuth war nochmal sehr spannend.

Foto: David Ausserhofer

Foto: David Ausserhofer

Besonders wichtig ist uns aber zu betonen, dass diese Ehrung allen gilt, die sich für Jugend hackt engagieren und enagiert haben. Ohne dieses zum Teil jahrelange ehrenamtliche Engagement gäbe es kein Jugend hackt. Davor verneigen wir uns tief und es ist umso schöner, wenn dies auch eine so öffentliche Würdigung erfährt.

Wir freuen uns sehr, dass wir zusammen mit anderen wichtigen gesellschaftlichen Anliegen, die ausgezeichnet wurden (von Nachbarschaftshilfe in Mecklenburg-Vorpommern über den Verein Dunkelziffer zur Prävention sexueller Gewalt bis hin zur Nepal-Erdbeben-Hilfe), diesen Preis erhalten haben und somit Aufmerksamkeit auf unsere Themen lenken können.

Jugend hackt goes international – ein Rückblick

In den vergangenen Wochen fanden gleich drei unterschiedliche Jugend hackt Events statt. Doch eines hatten alle drei gemeinsam: Sie waren international. In der Schweiz und in Österreich fanden die ersten Jugend hackt Events im deutschsprachigen Ausland statt und mit Südkorea gab es das erste Jugend hackt außerhalb Europas. Hier ein kleiner Überblick was alles passiert ist.

 Jugend hackt Österreich

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CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Leonard Wolf

35 jugendliche Teilnehmer*innen fanden sich beim ersten Jugend hackt Österreich in Linz für ein Wochenende zusammen, um mit Code die Welt zu verbessern. Unterstützt wurden sie dabei von einer Vielzahl an freiwilligen Mentor*innen, die sich das Wochenende vom 04. bis zum 06.11. Zeit nahmen um die Jugendlichen zu unterstützen.Insgesamt wurde so an sechs verschiedenen Projekten gearbeitet:

Dogs Watch, einem Computerspiel, das den Spieler*innen auf einfache Art und Weise vermitteln will, welche Auswirkungen Überwachung auf unser Leben haben kann. Lirecity, das Menschen dazu bewegen will, mehr in die Natur zu gehen und neue Menschen kennenzulernen. Ways+, mit dem sich Routen nach eigenen Kriterien erstellen lassen. Cookie-Via-Block, eine Browsererweiterung, die auf einfache Art und Weise Nutzer*innen hilft ihre Privatsphäre zu verbessern. Nerve, ein Projekt, das Unterrichtsstunden aufzeichnen und online verfügbar machen möchte sowie find2gether, eine Website, mit deren Hilfe man neue Freunde und Bekannte auf Basis gemeinsamer Interessen finden kann.

Mehr Infos zu Jugend hackt Österreich 2016:

  • die Projekte im Hackdash findet ihr hier
  • das gesamte Fotoalbum ist auf Flickr

Jugend hackt Schweiz

Vom 11. bis zum 13.11. kamen 28 Teilnehmer*innen aus der ganzen Schweiz nach Zürich um dort beim ersten Schweizer Jugend hackt Event dabei zu sein. Auch hier entstanden mit der Unterstützung von ehrenamtlichen Mentor*innen zehn tolle Projekte:

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CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: zeitgebilde.de

Raspberry Pad ist ein Mini PC mit Display, das auch für den kleineren Geldbeutel erschwinglich ist. Der Map Robort kann den groben Umriss der Schweiz zeichnen. Das Smarte Fahrradschloss ist ein Schloss, das sich mithilfe eines Raspberry Pis via Bluetooth entsperren lässt. Der Schreibroboter ist ein auf einem LEGO Mindstorms basierender Roboter, der Buchstaben schreiben kann. Der Aufräumroboter soll gegen den täglichen Wahnsinn in Kinderzimmern helfen, da er Teilchen selbstständig aufsammeln kann. Hotspotspotter hat sich dem Ziel verschrieben die meisten freien Hotspots in der Schweiz auf einer Karte anzuzeigen. The life of Ethan Drake ist ein Spiel indem jede Entscheidung seine ganz eigenen Folgen hat, weshalb jeder Spieler*innen ein anderes Ende erleben wird. Mit The Pulse können an einen Arduino angeschlossene Sensoren die Vitalfunktionen des Körpers überwachen und IMNS – Is my Network safe? gibt einem Tipps rund um das Thema Sicherheit des eigenen Heimnetzwerkes.

Mehr Infos zu Jugend hackt Schweiz 2016:

 

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Goethe-Institut Korea/Fotograf: Oh Choong Seok

Jugend hackt Seoul

Am gleichen Wochenende, aber in einer anderen Zeitzone als Zürich fand unser erster Hackathon außerhalb Europas statt. Das Goethe Institut lud zehn Teilnehmer*innen und sieben Mentor*Innen/Organisator*innen ein, um für neun Tage nach Seoul zu kommen. Zum Schwerpunkt „Vernetzte Welten – Schüleraustausch der Zukunft“ entstanden in Zusammenarbeit mit elf Jugendlichen und fünf Mentor*innen aus Korea fünf tolle Projekte:

Mit Buchst du noch oder reist du schon? kann jeder kinderleicht seine eigene Reise planen. Kultur für Euch – Austausch weltweit zeigt einem die wichtigsten Informationen eines Landes und bereitet einen so auf die Kultur eines anderen Landes vor. CoolTourHat zeigt dir interessante Personen in deiner Nähe und BeePolite zeigt einem per Texterkennung höflichere Redewendungen auf, die man verwenden könnte.

Mehr Infos zu Jugend hackt Seoul 2016:

  • alle einzelnen Projekte im Hackdash
  • einige Fotos von unserem Teilnehmer Vidister auf Flickr
  • und noch einige Fotos von Pajowu auch auf Flickr
  • unsere offiziellen Bilder des Fotografen des Goethe Instituts

Jugend hackt in Südkorea (Teil 1)

Dieser Text kommt von Nina, 18, die aus Konstanz nach Südkorea angereist ist:

Der 1. Tag in Korea: Enttäuschung im Einkaufszentrum

Zusammen sind wir (zehn Jugendliche, vier Mentor/innen, drei Organisator/innen) ganze acht Stunden in die Zukunft geflogen, von Frankfurt nach Südkorea. Während wir im Flugzeug saßen und von koreanischen Stewardessen mit Hausschuhen versorgt wurden, dämmerte uns langsam, dass wir alle Teil einer ganz verrückten Mission sind. Wir wollen zusammen mit elf koreanischen Jugendlichen an diesem Wochenende ein Jugend hackt-Event in Seoul erleben. Was das genau bedeutet, kann zu diesem Zeitpunkt noch keiner voraussagen. Wie groß wird die Sprachbarriere sein? Und was werden koreanische Jugendliche zu den politischen Themen von Jugend hackt (wie z.B. Überwachung) zu sagen haben? Wir sind gespannt.

Nachdem sich stundenlang unter uns die Weite von Russland und China erstreckte, kommt endlich unser Zielland in Sicht, und es sieht aus dem Flugzeug fast vertraut aus. Man sieht eine Art Wattenmeer und viel Industrie, oder wie Finn neben mir sagt: „Das sieht aus wie Schleswig-Holstein“. Am Flughafen Incheon kommen wir erstaunlich schnell durch den Zoll, wir besorgen uns ein paar Koreanische Won und gehen aufs Klo, und dort fällt einem der erste kleine Unterschied auf: Die Toiletten sind ungewohnt tief angebracht. Es ist nur ein winziger Unterschied, denn es sind ganz gewöhnliche Kloschüsseln, nur sind diese ca. 5 cm tiefer angebracht, als man das so gewohnt ist. Ein Wunder, wie sehr einen so etwas aus dem Konzept bringt!

Vom Flughafen fahren wir nach Seoul in unser Hostel. Mit viel Platz, großen Fenstern, Fernseher und Wasserkocher auf dem Zimmer könnte es durchaus auch als Hotel durchgehen. Etwas gewöhnungsbedürftig sind nur die Trennwände zwischen den Betten, sodass man sich nicht gegenseitig
sehen kann, wenn man im Bett liegt.

Unsere Gastgeber vom Goethe-Institut laden uns gleich nach der Ankunft noch zum Essen ein. Wir gehen in ein Restaurant, das an ein großes Einkaufszentrum angegliedert ist. Als wir die Shopping Mall „Times Square“ betreten, macht sich ein seltsames Gefühl in uns breit. Warum sind wir nochmal zehn Stunden um die Welt geflogen, um in einem Einkaufszentrum zu stehen, das sich gewöhnlicher nicht anfühlen könnte? Manchmal möchte man der Globalisierung einfach einen Tritt verpassen. Als wir das Restaurant betreten und vor einem großen Buffet mit koreanischen Spezialitäten stehen, legt sich das Gefühl zum Glück wieder. Mit unserem Jetlag sind wir sogar alle ziemlich überfordert, und viele auch mit all diesen Speisen, von denen keine einzige so schmeckt, wie wir uns das vorstellen, während wir sie auf unseren Teller schöpfen. Nach dem Essen fallen wir sofort ins Bett.