Hinter den Kulissen der Labausschreibung und -auswahl

Im Januar konnten wir verkünden, welche Organisationen mit uns gemeinsam die ersten Jugend hackt Pilot-Labs aufbauen. Wir freuen uns schon riesig auf die Arbeit mit den Teams aus dem Verstehbahnhof und dem Verschwörhaus.

Bevor sich die beiden Orte hier im Blog genauer vorstellen, wollten wir vom Berliner Team die Gelegenheit nutzen und ein paar Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Ausschreibungsprozess teilen.

Der Ausschreibungsprozess

Das Konzept der Jugend hackt-Labs hat sich aus unserem bestehenden Angebot entwickelt. In den letzten Jahren hat sich abgezeichnet, dass das Format des Hackathons erfolgreich funktioniert, es unserer Zielgruppe jedoch oft an weiteren Angeboten zu den Wochenend-Veranstaltungen fehlt. Es besteht der Wunsch nach mehr Jugend hackt!

Daher entstand die Idee für die Labs. Grundlage für den Förderantrag und auch das Konzept bildeten auch Umfragen, die wir mit den Jugendlichen bei drei Events 2018 durchgeführt haben und eine Online-Umfrage.

Die Kernpunkte der Ausschreibung sind:

  • die Labs sollen ein ganzjähriges Angebot für die Zielgruppe sein
  • mit den Labs werden bereits treue Jugend hackt-Teilnehmer*innen erreicht
  • die Jugend hackt-Labs ermöglichen einen niederschwelligen Einstieg in die Jugend hackt-Community, für Jugendliche die bisher noch nicht an Events teilgenommen haben
  • von den Pilot-Labs aus werden je zwei weitere Labs durch die angestellten regionale Koordinator*innen mitbetreut
  • das Konzept der Jugend hackt-Labs soll perspektivisch über die Jahre weiterentwickelt und weitergeführt werden, sodass am Ende Jugend hackt-Labs, ähnlich den Events, in vielen Städten Deutschlands zu finden sind

Diese Karte zeigt die ungefähre Verteilung der Bewerbungen – die Punkte repräsentieren nicht einzelne Städte, sondern Regionen aus denen Bewerbungen eingingen.

Diese Punkte bildeten die Grundlage für die Begutachtung der Bewerbungen. Uns erreichten über 30 Bewerbungen aus sehr unterschiedlichen Regionen Deutschlands. In einigen Fällen erreichten uns mehrere Bewerbungen einzelner Initiativen und Organisationen aus einer Stadt, in anderen Fällen waren es auch tapfere “Vorreiter*innen”. Manche Organisationen und Initiativen kannten wir bereits persönlich und bei anderen waren wir positiv überrascht, wo und wer noch alles über das gemeinsame Thema nachdenkt.

Das Wort Pilot-Labs macht es deutlich: wir möchten mit der Gründung der ersten Labs so viel wie möglich unterschiedliche Erfahrungen sammeln können. Auf Basis dieser Erfahrungen möchten wir dann die Möglichkeit schaffen, weitere Labs in ganz Deutschland und eventuell sogar darüber hinaus entstehen zu lassen und zu begleiten.

Für die Sichtung der Bewerbungen haben wir zunächst alle Bewerbungen einzeln durchgesehen und nach einzelnen Merkmalen/Kriterien Punkte vergeben und diese dann im Plenum nochmals besprochen und ausgewertet. Im nächsten Schritt haben wir Einzelgespräche mit ausgewählten Bewerber*innen geführt.

Während der Ausschreibungssphase wurden wir zum Beispiel mehrmals gefragt, ob sich auch Städte für die Pilot-Labs bewerben könnten. Wir wollen uns mit unserem Angebot an den Bedürfnissen der Zielgruppe orientieren, hier bekommen wir immer öfter das Feedback, dass auch in mittelgroßen und großen Städten vergleichbare Angebote fehlen. Daher hatten wir beschlossen, keine genaue Vorgaben für Einwohnerzahlen oder Angaben zur Größe der Stadt zu machen.

Die vielen Vorgespräche bestätigten uns, dass nicht nur wir und unsere Community den Bedarf sehen! Perspektivisch ist es unser Ziel, dass es Jugend hackt-Labs deutschlandweit an möglichst vielen Orten gibt.

Hintergründe zur Auswahl

Ein Kernkriterium bei der Auswahl der Partner*innen für die Pilot-Labs war, dass in der Region  2020 weitere Lab-Standorte entstehen sollen und diese mitzubetreuen sind. Aufgrund der mit der Ausschreibung verbundenen SKala-Förderung stand von Anfang an fest, dass es sich bei den Pilot-Labs direkt um Pilot-Regionen handeln wird. Die Organisationen vor Ort müssen also nicht nur in der Lage sein, ihr „hauseigenes“ Lab aufzubauen und zu betreuen, sondern im Sinne des Netzwerkgedankens von Jugend hackt auch im Folgejahr zwei weitere Standorte auszubauen.

Mit dem Verschwörhaus in Ulm haben wir einen Partner gewonnen, der schon seit einigen Jahren das Format Hackathon für Jugend hackt ausrichtet. Dieser Ort ist unter den bisherigen Teilnehmer*innen bekannt und auch das Team vor Ort bringt einiges an Jugend hackt-spezifischer Erfahrung mit. Darüber hinaus hat das Verschwörhaus ein bestehendes breites Angebot an Veranstaltungen zu unterschiedlichen gesellschaftlichen und technischen Themen – unter anderem zu Offenen Daten, zum Selbermachen, gemeinsamen Reparieren und politischem Engagement zur regionalen Mobilität.

In Ulm gibt es auch einen bestehenden Kern aus Mentor*innen, die aus dem Umfeld des Verschwörhaus kommen und auch abseits der Jugend hackt-Hackathons aktiv sind und sich in der Community einbringen. Darauf können wir auch für die Aktivitäten rund um die Jugend hackt-Labs bauen. Hier sehen wir vor allem die Möglichkeit zu erproben, wie an einem Jugend hackt-Ort das neue Angebot wahr- und angenommen wird. Darüber hinaus besteht im direkten Ulmer Umland ein Bedarf an vergleichbaren Angeboten und es ist ebenso möglich, die Region dank des vorhandenen Erfahrungsschatzes größer zu denken.

Der Verstehbahnhof in Fürstenberg ist vergleichsweise jung und noch im Aufbau. Er befindet sich auf einem weißen Fleck der bisherigen Jugend hackt-Karte. Durch seine Lage ist der Verstehbahnhof besonders spannend, er befindet sich in einem Bahnhofsgebäude. Die Bahnverbindungen zwischen Berlin und Fürstenberg sind mit einer knappen Stunde Fahrzeit und stündlichen Verbindungen günstig, um auch Jugendliche anzusprechen, die aus dem direkten Berliner Umland kommen. Und die Zahl der Angebote in Brandenburg ist (möglicherweise) durch die Nähe zu Berlin ist sehr gering, wenn nicht sogar kaum vorhanden.

Bahnhöfe sind oft ein Ort des Wartens und Zeitverbringens. Der Verstehbahnhof möchte auch Jugendliche einladen, die nicht gezielt einen Maker- oder Hackspace suchen, sondern einfach etwas Zeit mit anderen verbringen möchten. Der Zugang ist somit sehr niederschwellig gehalten. Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten, um Jugendliche anzusprechen, denen der Zugang zu Technik bisher verschlossen war. Hier sehen wir vor allem das große Potenzial zu erproben, wie wir neue Zielgruppen erreichen können. Wir sprechen oft von Diversität und dem Wunsch, auch Jugendliche zu erreichen, die sich nicht in erster Linie als “Hacker*innen” identifizieren; sei es aufgrund ihres Geschlechts, Herkunft oder sozio-ökonomischen Hintergrunds. Wir haben hier bereits verschiedene Strategien im Rahmen der Hackathons umgesetzt und wollen diese in den Labs weiterentwickeln und erproben.

Wir haben mit der geografischen Auswahl und der Verteilung auf ein westdeutsches und ein ostdeutsches Bundesland sehr unterschiedliche Grundvoraussetzungen was sowohl Landes- und Kommunalpolitik und deren Förderlandschaft angeht, aber auch unterschiedliche biografische Zugänge zu Themen wie DIY, Making, Digitalität und Coding.

Im Förderantrag planten wir noch, durch Einzelgespräche mit einzelnen Organisationen und potenziellen Partner*innen unsere Pilot-Labs auszuwählen. Die Entscheidung, die Ausschreibung öffentlich zu machen, würden wir jederzeit wieder treffen. Sie hat das Verfahren transparent gemacht und allen Interessierten die Möglichkeit gegeben zu partizipieren – ein Grundwert, für den wir uns als Programm stark einsetzen. Außerdem hat uns das Feedback gezeigt, dass es tatsächlich einen großen Bedarf an Angeboten wie den Jugend hackt-Labs gibt – wir schauen also gespannt und voller Vorfreude auf die nächsten Jahre in denen Jugend hackt weiter wachsen wird! :)

Wie funktioniert ein Game Jam? – Sebastian Morr (Lightning Talk 2017)

Unser vierfacher Mentor Sebastian alias blinry hat schon öfter angefangen, ein eigenes Computerspiel zu programmieren, aber daraus ist nie was geworden. Seitdem er das Format des Game Jam kennengelernt hat, klappt es aber. Ein Game Jam funktioniert wie ein Hackathon, bei dem man alleine oder in einer Gruppe ein eigenes Spiel an nur einem Wochenende entwickelt.

Weshalb es in diesem Format gelingt (konkret beim großen Game Jam namens Ludum Dare), liegt laut blinry vor allem an den viele Einschränkungen, die sich als hilfreiche Grenzen erweisen: Man hat nur 48 Stunden Zeit und ein vorgegebenes Thema und man darf fremde Ressourcen wie Soundeffekte, Musik und Grafiken nutzen. Da bleiben kaum Möglichkeiten, sich zu verzetteln.

Im Vortrag liefert blinry seine Tipps für die Teilnahme beim Ludum Dare (nächster Termin übrigens: 26. bis 28. April) – darunter offensichtliche wie vorher auszuschlafen und mit funktionierendem PC loszulegen, aber auch ganz konkrete wie die Empfehlung der 2D-Spiel-Engine Löve, wo man die richtigen Sounds herbekommt und warum man eine externe Person zum Testen braucht. Alle Links aus dem Vortrag liegen hier.

blinry engagierte sich bereits als Schüler im Rahmen des Linuxpaten-Projektes und betreute im Studium lange den Vorkurs für Informatik-Ersties. Mittlerweile hat er viele Jahre Erfahrung mit diversen Programmiersprachen, Plattformen und Technologien, die er gern an Junghacker*innen weitergeben möchte. Er mag freie Lizenzen, und schätzt Autonomie, Neugierde und Kreativität. Seit Abschluss seines Studiums arbeitet er als unabhängiger Programmierer und Designer. Sein im Talk gezeigtes Spiel ist Was ist das für 1 Room.

RobodiesLab: Tanzen und Hacken

Tanzen und Hacken?

In Science-Fiction-Filmen, Serien oder Games sehen wir sie bereits: Elektronische Körpermodifikationen aller Art, wie LED-Verzierungen oder bionische Augen mit Zoom-Funktion. Auch die Verschmelzung von Mensch und Maschine wie Cyborgs oder auf Computer übertragene Bewusstseinszustände rücken durch heutige Möglichkeiten in greifbare Nähe. Spannend wird diese Zukunftsmusik vor allem dann, wenn Bewegung, Tanz und der menschliche Körper ins Spiel kommen.

Im Rahmen von Hi, Robot! Das Mensch Maschine Festival findet vom Freitag, den 15. März bis Sonntag, den 17. März das RobodiesLab im NRW Forum in Düsseldorf statt.

Zwei weiß gekleidete Tänzerinnen mit etwas leuchtendem an den Köpfen vor einem bunten Hintergrund

Foto: Katja Illner

Tanzen und Hacken!

Du bist eingeladen, dich auf der Veranstaltung mit dem Körper der Zukunft auseinanderzusetzen und gemeinsam über Schnittstellen zwischen Tanz und Hacking nachzudenken. Wie kann mein Körper durch Technik erweitert oder sogar verbessert werden? Welche technischen Hilfsmittel machen meine Performance noch spektakulärer? Und wer hat eigentlich die Kontrolle über meinen Körper – ich oder die Maschine? Ein Wochenende lang stellst du, ähnlich des FabLab- und Hackathon-Formats, in kleinen Teams ein eigenes Projekt auf die Beine, welches am Sonntag öffentlich präsentiert werden.

Ob Choreografien begleitet durch visualisiertem Sound, Tanz ausgestattet mit technischen Gadgets, selbst designte Games, die sich mit Tanz und Bewegung beschäftigen, bewegungsgesteuerte Programme, oder Tools zur Choreographie-Konzeption… an diesem Wochenende sind jede Menge neue Ideen willkommen!

Unterstützt wirst du von Mentor*innen mit Know-How im Bereich Coding, Tanz, Robotik sowie Choreografie. Zur Projektverwirklichung wird ein kleiner Makerspace eingerichtet und zusätzlich kann am Samstag zwischen 10 und 20 Uhr im Rahmen des Festivals ein großer Makerspace besucht werden.

Jugend hackt?

Wir finden diese thematische Kombination super spannend und sind daher auch an der Veranstaltung beteiligt! Da das RobodiesLab in NRW stattfindet, ist unser regionaler Partner, die Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW, mit an Bord. Das Team steckt auch hinter unseren Kölner Jugend hackt-Events \o/

Ihr könnt es nicht erwarten, dass die ersten Jugend hackt-Events des Jahres 2019 starten? Dann besucht gerne das RobodiesLab! Wir würden uns freuen, euch auf der Veranstaltung (wieder) zu sehen und sind gespannt auf die coolen Projekte, die ihr dort verwirklichen werdet! Hier kommen die Eckdaten:

WAS RobodiesLab im Rahmen von Hi Robot! (Flyer)
WANN Fr. 15. März, 16 Uhr – So. 17. März, 14 Uhr
WO NRW-Forum, Ehrenhof 2, Düsseldorf
WER Jugendliche ab 10 Jahren, Vorkenntnisse in Tanz oder Programmierung sind von Vorteil, aber auch Einsteiger*innen sind willkommen
KOSTEN Die Teilnahme ist kostenlos und nur nach vorheriger Anmeldung möglich
ÜBERNACHTUNG Ist möglich! Bitte bei der Anmeldung angeben
ANMELDUNG Bis 1. März über dieses Formular
FRAGEN Mail an Karolina Albrich
PRÄSENTATION 17. März um 12 Uhr im NRW-Forum, Eintritt frei
Ein humanoider Roboter, hinter ihm ein Mensch, in blauem Licht

Foto: Chrisander Brun

Projektidee und Organisation: Mijke Harmsen & Valerie Wehrens, tanzhaus nrw; Medienpädagogische Betreuung: Karolina Albrich, Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW

Das RobodiesLab ist eine Veranstaltung des tanzhaus nrw im Rahmen von Take-off: Junger Tanz, gefördert durch das Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf sowie das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und in enger Zusammenarbeit mit Jugend hackt und der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW. Das RobodiesLab findet statt im Rahmen von Hi, Robot! Das Mensch Maschine Festival, initiiert durch das tanzhaus nrw in Kooperation mit dem NRW-Forum Düsseldorf und Black Box / Kino im Filmmuseum, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Mit Dank an Marie Zoe Buchholz, Jennifer Döring, Alexander Jesch, Lutz Thomalla, Bounracksa Phomkhoumphon, Malou Weiße und Annika Wolf, die Freizeiteinrichtung Icklack, die Rather Kreuzweg Schule, das Wim Wenders Gymnasium und alle ehrenamtlichen Mentor*innen.