Neue Angebote für Mädchen und queere Jugendliche

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von Philip Steffan

Jugend hackt hat sich selbstbewusst auf die Fahne geschrieben, (mit Code) die Welt verbessern zu wollen. Wenn wir uns schon so etwas vornehmen, sollten wir natürlich darauf achten, möglichst alle mitzunehmen. Die Erfahrung aus zehn Jahren zeigt: Einfach nur eine Anmeldung zu öffnen und alle Jugendlichen von 12 bis 18 Jahren einzuladen, reicht dafür nicht aus.

Wenn man mal nur auf Gender schaut: Am Ende hätten wir nach so einer offenen Anmeldung über 90 Prozent cis Jungs auf unseren Events. Die hätten sicher eine gute Zeit, aber repräsentativ für die Gesellschaft wäre es nicht. „Wer sitzt am Tisch und bringt die weibliche Perspektive hinein? Wie wollen wir, dass unsere Welt im Digitalen gestaltet wird, und von wem?“, formulierte es unsere langjährige Teilnehmerin Jana, mittlerweile Studentin und Mentorin, einmal in einem Community Talk.

Trotz aller Bemühen sind Geschlechterrollen hartnäckig. Geht es um IT und Code, zögern die meisten Jungen (oder ihre Eltern) nicht, dass das Thema etwas für sie ist. Durch aktives Gegensteuern schaffen wir es seit Jahren, auf unseren Events eine Quote von 25 bis 30 Prozent Mädchen zu erreichen. Das gelingt über aktive Ansprache, über die Kooperation mit passenden Partner*innen, über diversere Vorbilder und am Ende auch über eine Auswahl, wer bei Veranstaltungen mit hoher Nachfrage teilnehmen kann.

Foto: CC BY 4.0 Karolina Kaczmarczyk (Jugend hackt)

Ein anderer Ansatz ist, auch öfter Veranstaltungen anzubieten, bei denen keine cis Jungen dabei sind. Die Zielgruppe heißt MINTA – ein neueres Akronym für Mädchen, inter, nonbinäre, trans und agender Jugendliche. Wer bei all diesen Begriffen nicken kann, kennt sich in queeren Belangen bereits sehr gut aus. Für Jugend hackt ist es wichtig, auch jungen Menschen, die sich zwischen und außerhalb der binären Geschlechter verorten, einen Platz zu bieten.

Unser erstes Wochenend-Event für MINTA fand bereits Anfang 2020 mit 17 Teilnehmer*innen in Jülich statt. Der Fokus lag seinerzeit zum einen auf dem Austausch untereinander, dem Ausprobieren, dem Erlernen neuer Fähigkeiten, aber auch auf dem Gedanken des Empowerments. Eine einmalige Veranstaltung reicht natürlich nicht aus, daher sind im Herbst 2023 an mehreren Standorten von Jugend hackt wiederkehrende Angebote für MINTA gestartet – in Dresden, Berlin und Potsdam.

Am 23. September fand im Dresdener Kraftwerk Mitte der erste Girls*-Hackday mit 22 Teilnehmer*innen statt. Ein besonderes Anliegen der drei Organisatorinnen war es, den feministischen Blick auf Technik und Programmierung in den Fokus zu rücken. So konnten die Teilnehmer*innen einen Einblick in verschiedene Bereiche des Codings bekommen, gemeinsam spielen, basteln, programmieren und den Geschichten und Biografien der zwölf Referent*innen lauschen. Fazit: Rundum Begeisterung. 2024 soll der Girls*-Hackday in Dresden daher wieder stattfinden.

Foto: CC BY 4.0 Jugend hackt

Auch für Katja Lauth, die das Jugend hackt Lab Berlin leitet, ist es wichtig, Mädchen und queere Jugendliche zu erreichen. Dazu haben wir unter anderem in den letzten beiden Jahren Schnupper-Workshops im Rahmen des Berliner „Mädchen-Technik-Kongress“ angeboten. Im November hat Katja außerdem erstmalig zum „Löten und 3D-Druck für Mädchen, inter und trans Personen, nicht-binäre und agender Personen“ eingeladen.

„Es war eine ganz entspannte und ausgelassene Stimmung bei diesem Lab-Termin. Die MINTA schienen viel mutiger, selbstbewusster und aufgeschlossener in diesem Safer Space als in anderen Lab-Terminen, bei denen cis Jungen die Mehrheit bilden.“, sagt Katja. Im Januar fand der zweite Termin statt, Anfang April ist der nächste Workshop geplant.

Foto: CC BY 4.0 Alev Coban (Jugend hackt)

Noch einen Schritt weiter geht das neue Jugend hackt Lab Potsdam, das seit November 2023 Workshops anbietet. Die Organisator*innen haben sich entschlossen, an einem der drei Standorte, der Medienwerkstatt Potsdam, ein reines MINTA-Lab anzubieten – statt „immer mal wieder“ also verlässlich alle zwei Wochen. Li Grunewald leitet das Lab Potsdam und will dort „einen entspannten Raum zum gemeinsamen Lernen, Ausprobieren und Vernetzen“ aufbauen.

Aus den vielen einzelnen Erfahrungen im Netzwerk von Jugend hackt sollen dieses Jahr weitere Handreichungen entstehen, wie wir an noch mehr Standorten Angebote für Mädchen, inter, nonbinäre, trans und agender Jugendliche einrichten können. Ein erster Baustein ist ein eigener Flyer für die Zielgruppe, den es bereits für Berlin gibt und der mit lokalen Anpassungen auch von anderen Labs im bundesweiten Netzwerk genutzt werden soll.