Community Talk 9: Gender-Diversity

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von Philip Steffan

Diversity (Vielfalt) ist ein weites Feld von einander überlappenden Gruppen und Merkmalen, unter anderem Alter, Geschlecht, Behinderung, Weltansschauung, Gesundheit, Bildung, Zugehörigkeit… Was man meistens mit dem Begriff meint, ist der Wunsch nach einer möglichst großen Vielfalt dieser Merkmale in der eigenen Community. In diesem Talk haben wir uns einen Faktor von Diversity herausgegriffen: Gender, also das (soziale) Geschlecht.

Die Idee zu diesem Talk entstand bei Liv und Jana nach der siebten Sendung, in der sie am Beispiel von Mentoring und Ehrenamt viel darüber gesprochen haben, wie sich Jugend hackt aus Sicht der Teilnehmer*innen anfühlt. Da liegt es nahe, sich auch einmal nur die Sicht der Teilnehmerinnen, ohne Sternchen, anzuschauen.

Die beiden haben sich dazu noch als weitere Gäste die Teilnehmerin Lanna sowie Nina aus unserem hauptamtlichen Team dazu geholt, um weitere Perspektiven zu haben: Nina erklärt, wie Jugend hackt konkret handelt, um z.B. mehr Mädchen zu erreichen. Lanna spricht als einzige trans Frau in der Runde über ihre Erfahrung mit Coding-Angeboten „für Mädchen“ und wie auch diese immer wieder Ausschlüsse produzieren.

Im Gespräch ging es viel um Repräsentation und Vorbilder und die Erkenntnis, wie viel Einfluss eine gute Informatiklehrerin auf das eigene Selbstvertrauen hat, sich als Mädchen mit IT und Coding zu beschäftigen. Gerade hier werde viel verschenkt, weil Informatik an der Schule zu spät einsetzt und mit einem technischen Nerd-Image aktiv Mädchen vertreibt, weil er auch zu wenig auf die nötigen Sozialkompetenzen schaut.

Liv, Jana, Lanna und Nina sprachen aber auch darüber, dass die selbstverständliche Forderung, dass mehr nicht-cis männliche Menschen (und auch mehr nicht-weiße Menschen usw.) in der IT-Welt fehlen, kein Selbstzweck ist: Zu oft begegnen ihnen gedankenlos konzipierte Apps und Veranstaltungen, bei denen klar ist, dass keine Frau mit am Tisch saß. Dieser Bias (d.h. Tendenz, Verzerrung) in der Technik wirkt weit in unsere digital bestimmte Gesellschaft hinein und sorgt für neue Ausschlüsse.

Zum Ende hin blicken die Gesprächspartnerinnen auch kritisch und sehr unterschiedlich auf Programme wie Jugend hackt und die Ansätze, den Anteil von Mädchen und anderen nicht-männlichen Menschen zu steigern: Die faktische Quote in Form von „Diversity-Plätzen“ funktioniert, fühlt sich dennoch wie eine Maßnahme an, die Minderheiten wieder eine Sonderrolle zuweist. Rein weibliche Events wie „Mädchen vernetzen“ haben außerdem ihre Berechtigung, weil sie einen neuen Raum für Mädchen schaffen, die ansonsten nicht teilgenommen hätten – sind aber für Lanna persönlich nicht der richtige Ort, an dem sie sich als trans Mensch wohlfühlt.

Zum Weiterschauen und -lesen:

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