Mal was anderes – Buchtipps :)

Paula hat dem Blog Footnoters ein kleines Interview gegeben. Im Gegenzug stellt uns Anika Ullmann, die zum Thema jugendliche Hacker/innen in der Kinder- und Jugendliteratur forscht, ihre Lieblingsbücher aus diesem Bereich vor. Perfekt, für alle, die noch auf der Suche nach passender Sommerferienlektüre sind.

Hackerjugendromane

Hacker. Geht man nach den stereotypen Vorstellungen in der Gesellschaft, sind das Jugendliche, die aus dem Dunkel ihres Zimmers heraus, hinter dem Rücken ihrer Eltern, Webseiten attackieren und Daten klauen. In Jugendliteratur sind Hacker jedoch Helden und Heldinnen, die gerade wegen ihrer Fähigkeit zu Coden und aufgrund ihres breiten Wissens über neuste Technik dazu in der Lage sind, für das Gute zu kämpfen. Sie hinterfragen Dinge und können es online mit geldgierigen Konzernen, korrupten Regierungen und anderen Verbrechern aufnehmen. Ein paar der interessantesten Hackerjugendromane sollen hier kurz vorgestellt werden:

Little Brother von Cory Doctorow (2008)

Der wohl bekannteste Hackerjugendroman, spielt in der nahen Zukunft in San Francisco. Nach einem Terroranschlag auf die Bay Bridge geraten Marcus Yallow und seine Freunde in den Verdacht, an dem Anschlag beteiligt gewesen zu sein. Sie werden von der DHS (Department for Homeland Security) festgenommen und eingesperrt. Marcus wird so lange gefoltert und gedemütigt, bis er alle seine Passwörter preisgegeben hat. Nachdem er wieder freigelassen wurde, muss Markus erkennen, dass der Anschlag dazu geführt hat, dass er nun in einem Überwachungsstaat lebt. Marcus nutzt daraufhin die Internetverbindungen gehackter Xboxen und gründet ein verschlüsseltes Internetnetzwerk, das X-Net. Über dieses plant Marcus den Widerstand.

Der Roman liefert Hintergrundinformationen zu Kryptografie, bespricht die Wichtigkeit von Privatsphäre und zeigt, was es heißen kann, sich kritisch mit Politik und Machtausübung auseinanderzusetzen. Viele Grundideen der Hackerethik finden sich hier wieder, wie etwa das Misstrauen gegenüber zentralen Machtstrukturen und der Glaube, dass Computer die Welt verbessern können. Und weil Cory Doctorow wirklich dafür einsteht, dass Informationen so vielen wie möglich zugänglich sein sollten, kann man sich den Roman (und seine anderen) auf seiner Internetseite auf Englisch kostenlos herunterladen: http://craphound.com/littlebrother/download/

Auf Deutsch kann man den Roman als Fanübersetzung herunterladen (http://cwoehrl.de/files/lbdt_v1.pdf) oder als Buch bei Rowohlt kaufen.

Auch der Folgeband von Little Brother, Homeland, ist überaus lesenswert. Hier werden Marcus wichtige, klassifizierte Daten anvertraut und er muss sich nun entscheiden, ob er diese veröffentlicht und wie. (In der Snowden Dokumentation Citizenfour sieht man Homeland übrigens in Snowdens Wohnung liegen. Nicht schlecht, oder?) Hier der Downloadlink (Englische Sprache): http://craphound.com/homeland/download/

Der momentan letzte Teil der Marcus Yallow Romane ist eher eine Kurzgeschichte und heißt Lawful Interception. Das E-Book beschäftigt sich mit der Occupy Bewegung und Demonstrationskultur. Außerdem hält die Erzählung eine echt nerdig, romantische Liebesszene bereit.

Find Me von Romily Bernard (2013)

Protagonistin Wick ist sich sicher, dass mit ihrer neuen Pflegefamilie (die Vierte in einem Jahr) kann nur übel enden. Ihre Pflegeeltern Todd und Bren sind einfach makellos. Ein Ehepaar wie aus der Werbung, nett und wohlhabend. Da passen sie, Wick Tate und ihre Schwester Lily, nicht rein. Sie mit ihrem kriminellen Vater, der seit einem Jahr auf der Flucht vor der Polizei ist. Deshalb hackt Wick heimlich gegen Geld und ermittelt für Frauen, ob ihre Ehemänner sie betrügen. Das Geld ist ein Sicherheitsnetz, denn auf Erwachsene kann man sich sowieso nicht verlassen. Dann werden Wicks Fähigkeiten jedoch für etwas anderes gebraucht. Eines Tages liegt plötzlich das Tagebuch von Tessa, einer alten Schulfreundin, vor ihrer Tür. Im Buch klebt ein Post-It mit der Nachricht: Find me. Eine Aufforderung, die umso mysteriöser wird, als Wick kurz darauf in der Schule erfährt, dass Tessa tot ist. Sie ist von einem Gebäude gesprungen.

Ein toller Roman für alle die Krimis und Spannung mögen. Wick ist eine interessante Figur, die unglaublich eigenständig ist, gleichzeitig aber unfähig Hilfe anzunehmen und zuzugeben, dass auch sie Beschützer braucht. Die Frage, ob Hacken nun moralisch verwerflich ist oder eine potente Waffe gegen Kriminelle, ist dabei zentral für Wicks Selbstverständnis.

Der Roman ist auf Deutsch bei cbt erschienen.

The Eye of Minds von James Dashner (2013)

Lifeblood ist ein VR Spiel bei dem Spieler in einem so genannten Coffin (Sarg) liegen und über spezielle Drähte mit dem VirtNet, dem virtuellen Netzwerk in dem man Lifeblood spielen kann, verbunden sind. Als Aura bewegen sich die Spieler und Spielerinnen durch das VirtNet, können dabei, je nach gewählter Einstellung, Schmerz empfinden oder etwa riechen. Michael liebt Lifeblood, denn es simuliert das echte Leben. Eines Tages schließlich wird jedoch aus Spiel Ernst. Er trifft Tanya, die gerade von der virtuellen Golden Gate Brücke springen will. Sie spricht von Kaine, KillSims und Experimenten und codet sich schließlich selbst ihren Core heraus. Den Kern also, welcher dem Gehirn sagt, welche Erlebnisse real und welche Simulation sind. Dann stürzt sie sich in den Tod. Mit der virtuellen Aura stirbt auch ihr physischer Körper.

Michael und seine Freunde Bryson und Sarah erfahren kurze Zeit später von dem Cyberterroristen Kaine, seinen Plänen und seinem angeblichen Versteck. Aufgrund ihrer Programmierfähigkeiten werden die drei Jugendlichen beauftragt Kaine zu jagen. Was folgt, ist eine teilweise etwas geradlinige aber dennoch abenteuerliche Suche, welche die Freunde durch mehrere virtuelle Spielewelten führt. Da in der virtuellen Welt alles aus Code besteht, sind auch die Möglichkeiten mit Code die Welt zu verändern hier größer. Eine Tatsache, die Michael, Bryson und Sarah mehr als einmal Kopf und Kragen rettet.

Der Roman ist auf Deutsch bei cbt unter dem Titel Der Game Master – Tödliches Netz erschienen.

The Silence of Six von E.C. Myers (2014)

Leider sind viele interessante Hackerjugendromane noch nicht ins Deutsche übersetzt worden. Wer sich nicht scheut mal was auf Englisch zu lesen, dem sei noch dieses Buch empfohlen:

Während einer Präsidentschaftsdebatte an Maxs Schule geschieht etwas Unglaubliches. Mitten während der Debatte wird plötzlich, statt einer Videofrage, ein maskierter Junge in einem roten Kapuzenpulli auf der Leinwand gezeigt. Mit Nachdruck stellt dieser die Frage: „What is the silence of six, and what are you going to do about it?“ Dann nimmt er eine Pistole, steckt sich diese in den Mund und drückt ab. Max ist tief getroffen. Er ist sich sicher, der Maskierte war sein Freund Evan, mit dem er einst gehackt hat. Doch warum hat sein Freund das getan? Warum sammelt der Geheimdienst nun die Handys aller SchülerInnen ein? Und wieso hat Evan ihm genau kurz vor der Debatte eine SMS geschrieben? Kann die Hacktivistengruppe Dramatis Personai helfen? Wem kann Max trauen? Für Max beginnt eine rasante Schnitzeljagd, bei der er es mit dem Staat und einem korrupten Medienkonzern gleichzeitig aufnehmen muss. Spannung und kreativer Umgang mit Technik dominieren die Handlung dieses aktionsreichen Verschwörungsthrillers. Unterhaltsam und regt zum Nachdenken an. Eine super Mischung.

Viel Spaß beim Lesen!

Offene Daten, Offene Räume, Offene Köpfe – Wir haben den Norden gehackt!

Am Wochenende vom 10.- 12. Juni 2016 verbesserten 70 Jugendliche aus dem norddeutschen Raum bei Jugend hackt Nord im Hamburger betahaus mit Code die Welt.

Unter dem Motto Daten, Räume, Köpfe öffnen haben die Teilnehmer/innen in 44 Stunden zusammen mit ihren 24 Mentor/innen an zwei Tagen 16 fantastische Projekte entwickelt.

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink
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CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink

Ohne Berührungängste bastelten die Jugendlichen sofort am Freitag mit Hardware wie Raspberry Pis und Arduinos drauf los, wandelten in virtuellen Welten mit der Oculus Rift, druckten was der 3D Drucker hergab, tauchten in die Welt des Lasercuttens ein und hackten bis in die späten Abendstunden. Was eine gute Hackerin oder einen guten Hacker wirklich ausmacht und was sich hinter Begriffen wie Hackerethik und Hacktivism versteckt, konnten sie außerdem mit Dodger vom Chaos Computer Club diskutieren. Schließlich geht es bei Jugend hackt darum, neue Technologien nicht nur zu benutzen, sondern auch zu hinterfragen und unter ethischen Gesichtspunkten zu betrachten. (mehr …)