Jugend hackt setzt Zeichen gegen Rassismus am Theater an der Parkaue – neue Location gesucht

Mit großem Bedauern haben wir die Vorfälle im Theater an der Parkaue wahrgenommen. Maya Alban-Zapata hat dort im Frühjahr 2018 wegen rassistischer Äußerungen vom stellvertretenden Intendanten und dem Ensemble vorzeitig eine Produktion verlassen. Diese Vorfälle wurden nun in den vergangenen Wochen zusammen mit anderen Vorwürfen in verschiedenen Medienberichten und einem anonymen, offenen Brief publik gemacht. Das Bild, das sich dabei u.a. von der Leitungsebene des Theater an der Parkaue zeichnet, ist verheerend und scheint geprägt von alltäglichen Diskriminierungsformen bis hin zu einer Kultur des Schweigens.

Jugend hackt war 2018 mit seinem Berliner Event in den Räumlichkeiten zu Gast und hatte geplant auch im Oktober 2019 erneut zurückzukehren. Aus Solidarität mit den Betroffenen haben wir uns jedoch entschieden, unsere Kooperation mit dem Theater für 2019 zu beenden.

Unser Claim ist „Mit Code die Welt verbessern“ und bedeutet für uns auch, dass wir uns seit unserer Gründung für mehr Diversität und gegen jede Ungleichwertigkeitsideologien einsetzen. Seit vielen Jahren ist unser Handeln geprägt durch unseren eigenen Code of Conduct, mit dem wir uns verpflichten, uns bei unserer Arbeit und unserem Engagement für einen diskriminierungsfreien und respektvollen Umgang einzusetzen. Deshalb führen wir gerade im Rahmen unserer Veranstaltungen, aber auch darüber hinaus, viele Diskussionen rund um ethische und moralische Fragestellungen mit unseren Teilnehmenden.

Wir sehen nicht, wie wir diese Werte mit den Vorfällen am Theater an der Parkaue, und vor allem auch dem nachfolgenden Umgang damit, vereinbaren können. Dabei ist uns durchaus bewusst, wie alltäglich rassistische und diskriminierende Handlungen und Haltungen auch in anderen Kulturbetrieben und öffentlichen Institutionen sind. Gerade deswegen sehen wir es als unsere Pflicht, uns mit den mutigen Betroffenen, die diese Vorfälle publik gemacht haben, und denen die darunter litten, zu solidarisieren und nicht zum Alltagsgeschäft überzugehen.

Solidarität mit den Betroffenen von Rassismus am Theater

In diesem Sinne möchten wir ein Zeichen setzen: Für eine hoffentlich zukünftig entschiedenere und kompromisslose Aufarbeitung und eine glaubhafte, langfristige Strategie im Umgang mit Rassismus und anderen Diskriminierungsformen am Theater an der Parkaue. Wir sind überzeugt, auch durch mehrere gemeinsame Projekte über Jugend hackt hinaus, dass das Theater an der Parkaue wichtige Bildungs- und Kulturarbeit leistet und hoffen sehr, dass diese durch ehrliche und kritische Aufarbeitung und den richtigen Konsequenzen im Sinne der jungen Menschen fortgesetzt werden kann!

Wir wünschen den Betroffenen alles Gute und bessere Erfahrungen bei ihren nächsten Stationen und den Verantwortlichen den nötigen moralischen Kompass und die Entschlossenheit, die Situation schonungslos aufzubereiten.

Jugend hackt sucht Unterkunft

(Update 8. August: Vielen Dank für die vielen Vorschläge und Kontakte, ihr seid super. Wir haben inzwischen eine Location gefunden und können sie demnächst auch verkünden.)

(Update 27. August: Jugend hackt in Berlin findet 2019 im Silent Green Kulturquartier im Wedding statt.)

Wir haben uns entschlossen, diesen Schritt unabhängig von einer alternativen Event-Location zu gehen. Das bedeutet, dass wir dringend einen neuen Ort suchen, damit Jugend hackt in Berlin 2019 stattfinden kann.

Wir brauchen einen Ort, an dem rund 120 Jugendliche und etwa 60 betreuende Personen vom 4. bis 6. Oktober sein können. Wir brauchen sowohl einen Saal für gemeinsame Treffen mit 180 Personen, als auch mehrere Räume, in denen die jungen Menschen in Gruppen ihre Projekte entwickeln können, sowie einen Raum, der als “Werkstatt” (mit Lasercutter, 3D Drucker und Co.) eingerichtet werden kann. Weiter brauchen wir für Sonntag Mittag, den 6. Oktober, einen Saal mit 400 bis 500 Plätzen für unsere Abschlussveranstaltung. Sehr schnelles Internet ist notwendig, das können wir aber auch selbst organisieren. Wir freuen uns auch über Hinweise auf Räumlichkeiten, die nicht ganz so groß sind, bei Bedarf können wir das Event auch kleiner gestalten.

Ideen und Kontakte nehmen wir gerne auf berlin@jugendhackt.org entgegen.
Vielen Dank.

Die neue Online-Community von Jugend hackt

Wir mögen Freie und Open-Source-Software (FOSS) und sind große Fans davon, immer zu wissen, wo sich unsere ganzen Daten eigentlich so aufhalten. Diese Haltung geben wir auch auf unseren Events weiter. Da, wo wir im Jugend hackt-Team noch selbst auf geschlossene Systeme und ferne Clouds setzen, suchen wir inzwischen nach Alternativen.

Eine größere Umstellung haben wir im Juni nach rund acht Monaten Vorbereitung geschafft: Unsere neue Jugend hackt Online-Community auf Basis der Open-Source-Software Zulip ersetzt nun die Chat- und Kommunikationssoftware Slack, auf der die Jugendlichen in den letzten Jahren vor allem auf unseren Events, aber auch dazwischen miteinander Kontakt hielten.

Das ist Zulip – und wem das zu hell aussieht, der kann die App natürlich auch im „Dark Mode“ mit dunklem Hintergrund nutzen.

Im Vorfeld haben wir uns eine Handvoll Slack-Alternativen angeschaut und mit unseren Anforderungen abgeglichen. Dabei ging es uns nicht nur um das Lizenzmodell des Programmcodes und wo am Ende auch personenbezogene Daten liegen, sondern auch um vermeintliche Kleinigkeiten wie die Möglichkeit, mit Emoji auf Nachrichten zu reagieren oder vom Handy aus zu schreiben – moderne Kommunikation eben. Drei in Frage kommende Plattformen haben wir danach lokal installiert und im Team und mit interessierten Nutzer*innen ausprobiert. Nach einigen Wochen haben wir uns für Zulip entschieden.

Zulip statt Slack

Was Zulip anders macht als vergleichbare Systeme: Statt Threads (Diskussionsfäden) gibt es hier in jedem Kanal die sogenannten Themen – vergleichbar mit dem Betreff bei E-Mails. Praktisch ermöglicht das, in einem Kanal, z.B. #köln, zeitgleich mit vielen Menschen über mehrere verschiedene Dinge zu diskutieren, ohne dabei den Überblick zu verlieren, welche Antwort sich worauf bezieht. Der erste praktische Einsatz in Rostock auf dem Event im Juni hat gezeigt, dass das ziemlich gut funktioniert. Es hilft auch User*innen, die nur gelegentlich reinschauen, sich schnell einen Überblick zu verschaffen und einzelnen Themen zu folgen.

Außerdem gefällt uns, dass Zulip in Python geschrieben ist. Eine Sprache, die viele Menschen im Jugend hackt-Umfeld beherrschen. Es ist durchaus möglich, dass wir als Community in den nächsten Monaten und Jahren eigene Features zu Zulip beisteuern oder individuell anpassen werden.

Mit dem Umzug auf diese neue Software, die auf unserem eigenen Server hamilton (nach Margaret Hamilton) läuft, machen wir außerdem aus einem sporadisch genutzten Kommunikationskanal eine dauerhafte Anlaufstelle. Eine richtige Online-Community, in der wir uns auch zwischen den Veranstaltungen austauschen und gemeinsam an Projekten arbeiten.

Unser Community-Manager Philip wird dafür ab September jeden Monat neuen Input in Form von Themenmonaten liefern. Bereits in der kommenden Woche werden wir in einer Fragerunde zwei Entwickler von Zulip zu Gast haben, die den Jugendlichen Fragen zur Software und zum Mitmachen bei Open-Source-Projekten beantworten werden.

Unsere Online-Community, unser Zulip-Server, ist genau wie unsere Events ein geschlossener Schutzraum für die Jugendlichen und unsere Mentor*innen und nicht für die Allgemeinheit zugänglich. Jugend hackt-Teilnehmer*innen und -Mentor*innen, die noch keine Einladung erhalten haben, können sich gern bei uns melden.

So war es bei Jugend hackt in Rostock

Wir haben es also wieder getan: Jugend hackt war zum zweiten Mal mit einem Event in Mecklenburg-Vorpommern zu Gast, oder aus Landessicht gesagt, Jugend hackt MV hatte sein zweites Event. Diesmal waren wir in Rostock, genauer in Warnemünde im Technologiecampus.

Wir, das waren 33 Teilnehmende und 15 Mentor*innen bei Jugend hackt und acht Teilnehmende und fünf Mentor*innen beim verknüpften und zeitgleich stattfindenden Format hello world. Bis zu 13 Begeisterte arbeiteten dazu noch an der Organisation des Events vor Ort mit.

Das Wir vom Textanfang bezieht sich also insgesamt auf 73 Personen. Und es war ein Wir! Uns einte nicht nur das Ziel. Uns einte der Geist des Jugend-hackt-Programms: junge Menschen mit aufkeimenden IT-Fähigkeiten zusammenzubringen und sie dabei zu unterstützen, sich als selbstwirksamen, begeisterten und begeisternden Teil der modernen Gesellschaft zu erleben.

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Jacob Waak

Jugendarbeit ist inklusiv im besten, umfassenden Sinne, hier wird sie gelebt. Das ist nicht daher gesagt weil es hübsch ist und Zeitgeist. Diese Inklusion, dieses Sein-dürfen und gut so zu sein wie man eben ist, in so einem großartigen, unterstützenden Setting zu erleben, verändert nicht nur die Teilnehmenden. Es ist auch einer der Gründe, warum ehrenamtlich agierende Mentor*innen Zeit mit den Kindern und Jugendlichen verbringen, in der sie unterstützend und begleitend tätig sind. Das gilt auch so für andere Unterstützende, die durchaus nicht immer alles verstehen müssen, was da technisch so besprochen, programmiert und gebastelt wird. Sie sind Teil der Gemeinschaft bei einem Event von Jugend hackt.

So sind dann auch in Rostock wieder großartige Projekte und Projektideen entstanden. Sie heißen Besteuerung von Internetgiganten, Weltprobleme-Newsticker, Safe Delete für Gesetze, Fußabdruck-Verbesserer, HumiPedia, Biohacking-Lite, PacTrac, Touch Enchantments, Minecraft in 3D und Halbautomatische Hobbygärtnerhilfe und stehen unter dem Thema „Mit Code die UM:WELT verbessern“.

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Jacob Waak

In dem sich weiter entwickelnden Format von Jugend hackt liegt die Stärke zum Beispiel auch darin, hier auf jeden Wettbewerbsansatz zu verzichten. Er wird schlicht nicht benötigt, nicht als Motivation und auch nicht als Anerkennung. Anerkennung erleben die jungen Menschen im Projektverlauf immer wieder. Wertschätzung, Selbst- und Mitbestimmung sind Grundsätze der Jugendarbeit, die auch hier so gelebt werden. Das zu erleben, motiviert nicht nur die Teilnehmenden, sondern auch die Mentor*innen und Organisator*innen. Auch sie sind Teil des Ganzen und mitverantwortlich für den Erfolg der Kinder und Jugendlichen. Wer es erlebt hat, gibt mir sicher recht: den Erfolg und die Begeisterung von anderen mitverantwortet zu haben, ist ein großartiges Gefühl.

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Jacob Waak

Dank Felix und Sokrates hatten am Ende alle das benötigte WLAN in ausreichender Verfügbarkeit. Dank Danimo vom C3VOC-Team, Steffi und Hannes hatten wir Livestreams der Lightning Talks und der Präsentationen und haben wir nun Videos davon:

Dank Jakob haben wir großartige Fotos vom ganzen Event. Dank Saadya von der Open Knowledge Foundation, Robert von mediale pfade und Jan (unser Mann in Rostock) hatten wir strukturellen Support für Mentor*innen und Orga. Dank Julia, Micha und Prelle hatten wir eine gekonnte und unterhaltende Moderation im Saal. Und so könnte dieser Text immer weiter gehen, bis alle Namen einmal gefallen wären.

Übernachtet haben wir im Dock Inn, einem stylischen Containerhotel, das Dank der Lage und der Verkehrslage an Frühsommerwochenendmorgen und -abenden in Warnemünde einfach und gefahrlos zu erreichen war.

Was bei mir außer den erwähnten Projekten und Medien noch bleibt, sind die Erinnerungen an besondere Momente in der Gruppe, wie die Hacker*innen-Ethik-Diskussion am Lagerfeuer auf der Wiese hinter der einsamen Parkuhr. Oder die Chaosrunden vor und hinter dem Gebäude und, na klar, die Präsentationen der Projekte!

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Jacob Waak

Was noch bleibt sind die gelungenen Zusammenarbeiten und Verknüpfungen der Hackspaces Schwerin und Rostock – so etwas im Verlauf der Vorbereitung des Events wachsen zu sehen und euch alle gemeinsam und auch in den einzelnen Rollen agierend zu erleben, war großartig und bleibt in Erinnerung.

Was bleibt ist das hello-world-Erlebnis der Medienscouts und Medienscoutsmacher*innen in enger Zusammenarbeit mit den Mentoren aus Rostock und Schwerin.

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Jacob Waak

Was bleibt sind die Gespräche mit möglichen Unterstützer*innen in Rostocker Vereinen, Wirtschaft und Verwaltungen. Mit Geduld und der richtigen Strategie wird daraus ein Netzwerk entstehen, das Kinder und Jugendliche außerschulisch dabei unterstützt, mit IT in Kontakt zu kommen und eigene Ideen, Lernaufgaben, Hobbies und Lebenswege zu finden.

Was definitiv bleibt ist Dankbarkeit für den persönlichen Einsatz aller Mentor*innen und Organisator*innen. Euer Einsatz macht den Unterschied und Jugend hackt erst lebendig und hochwirksam bei den Kindern und Jugendlichen. Mit großem technischen Können, mit Feingefühl, mit Herz und Engagement. Danke!

Noch können wir nicht wissen, ob Strukturen entstehen werden in Rostock und ganz MV, die Jugendarbeit mit IT ermöglichen. Noch wissen wir nicht, wann, wo und ob wir uns 2020 in Mecklenburg oder Vorpommern wiedersehen werden. Was wir aber wissen ist, dass wir uns wiedersehen werden, die so talentierten und kreativen Kinder und Jugendlichen, die Mentor*innen und Orga-Leute von Woher-auch-immer. Dieses erfolgreiche Engagement in eigener Sache gibt wohl kaum jemand freiwillig wieder auf. Ein weiterer Grund zur Freude!