Datenvisualisierung (Lightning Talk 2015)

Heute in einer Woche ist es endlich soweit: Das Berliner Jugend hackt-Event beginnt! Vermutlich seid ihr genauso aufgeregt und voller Vorfreude wie wir – die letzten sieben Tage stehen wir aber gemeinsam durch.

Als letzten Input von uns für alle Interessierten gibt es wieder einen Lightning Talk von 2015. Diesmal berichtet uns Letty, was Datenvisualisierung ist und warum das eine ziemlich coole Beschäftigung zu sein scheint. Sie hat früher bei Open Data City gearbeitet, die sich ein Büro mit der Open Knowledge Foundation Deutschland geteilt haben.

Kleine Welt… Da gibt’s doch bestimmt ein Visualisierungstool für?!

Digitale Zukunftsgestaltung – Jugendliche verbessern mit Code die Welt

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink

Disclaimer: Dieser Post ist erstmalig auf der Website des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet erschienen. Wir freuen uns, dass wir ihn in unseren Blog übernehmen dürfen und danken dem DIVSI. Geschrieben hat ihn Franziska Semer, die dieses Jahr Jugend hackt Nord als Projektleiterin mitorganisiert hat.

Zeitreise

Denken wir zurück an das Jahr 1996 – Ich wechselte von der Grundschule auf das Gymnasium und die Musik wechselte von Ace of Base langsam aber sicher in Richtung Boy Groups. Mein Berufswunsch: Irgendetwas mit Menschen. Aufregendster Tag? Als der erste Röhren-Computer Einzug in die heimischen vier Wände erhielt. Da stand auf einmal ein Gerät mit separaten Buchstaben auf einem kleinen Block und einer Art Fernseher dran, unterm Tisch ein Kasten der merkwürdig surrte. Gestern gab es für die volle Punktzahl beim Vokabeltest noch eine kleine Aufmerksamkeit. Heute, 1996, schenkte mir mein Röhren-Computer mit Hilfe des Lernprogramms Sterne und höhere Level. Mein Ehrgeiz war geweckt. Vokabellernen wurde durch PC-Programme neu definiert und eine ganz neue Form der Motivation wurde geboren. Lernen machte auf einmal Spaß – Danke Computer!

Aber das war nur der Anfang. Stück für Stück beobachtete ich, wie sich die Welt um mich herum veränderte. Meine Freunde schickten sich SMS und spielten Snake mit ihrem Nokia 3310. Wir waren erreichbar, egal wo wir waren. Wo sollte das hinführen? Ständige Erreichbarkeit, Zugang zu allen möglichen Informationsquellen auf der ganzen Welt, digitale Kommunikation ohne jemanden gegenüber zu sitzen oder den Füller nachzufüllen. Ich war unsicher ob mir das gefiel. Ich gehöre zur Generation Y und darf mich Digital Native nennen – aufgewachsen mit dem digitalen Wandel unserer Welt. Heute 20 Jahre später ist die digitale Welt ein Teil von mir. E-Mail Programme, Online Recherche, Hangouts oder digitale Nachrichten gehören zu meinem Leben dazu. Per Definition scheinen wir Gen Ys Dinge zu hinterfragen und unsere Umwelt zu verändern.

Heute, 20 Jahre später, frage ich mich, wie es wohl wäre noch einmal 12 Jahre alt zu sein. Smartphones sind bereits alltägliche Gegenstände und ein Nokia 3310 im Museum unter Raritäten ausgestellt. Ein PC-Programm würde mich bestimmt nicht mehr so begeistern wie damals. Aber die Faszination Digitale Welt besteht noch heute. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass die Faszination noch nie so groß war. Wenn man die heutige Jugend beobachtet, dann wird einem schnell klar, man selbst ist maximal ein Prototyp der Digital Natives, die waren Einheimischen der digitalen Welt wachsen gerade heran. Unsere Zukunft, auch die digitale Zukunft, liegt in den Händen der Jugendlichen von Heute.

Aber genau diese Jugendlichen seien zu angepasst, glaubt man der im April veröffentlichten Sinus Studie. Beobachten wir die Lebenswelten der heutigen Jugendlichen, findet der Großteil in der digitalen Welt statt. Jugendliche zwischen 14-17 Jahren gehen nicht mehr online wie 1996, “sie leben online” (Calmbach, Marc et al., 2016). Digitale Medien sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Jugendliche pflegen soziale Kontakte über digitale Kanäle wie Snapchat, What’s App oder Instagram. Anders als in der Studie beschrieben sollte digitale Teilhabe aber weitaus mehr sein als Kommunikation.

Wir erinnern uns, das Dinge zu hinterfragen und zu verstehen ein wichtiger Teil für die Generation Y ist. Die heutige Generation Z baut darauf auf. Digitale Zukunftsgestaltung ist also digitale Teilhabe. Die Jugendlichen wünschen sich Plattformen, in denen sie ihre Vision einer besseren Gesellschaft digital wie analog gestalten können. Ihre technologischen Fähigkeiten haben sich die meisten Jugendlichen unabhängig der Schule angeeignet. Der Informatikunterricht in der Schule reicht da schon lange nicht mehr aus – und das obwohl gerade der MINT -Bereich den größten Nachwuchsbedarf hat. Politiker, sowie Unternehmen der digitalen Branche setzen auf die heranwachsende Generation.

Digitale Teilhabe

Ihre Vision einer besseren Welt zu gestalten beschert den Jugendlichen Selbstvertrauen und das Gefühl die digitale Zukunft, ihre Zukunft, mit zu gestalten. Viele Initiativen unterstützen Jugendliche auf ihrem Weg zur digitalen Teilhabe.

Unter dem Motto “Mit Code die Welt verbessern” wurde durch die Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. 2013 das Förderprogramm “Jugend hackt” ins Leben gerufen. Programmier- und Technikbegeisterte Mädchen und Jungen zwischen 12 und 18 Jahren arbeiten gemeinsam an digitalen Werkzeugen für ihre Vision einer besseren Gesellschaft. Eine feste Säule dieses Hackathons sind dabei offene Daten und die Betreuung durch ehrenamtliche Mentor/innen, aber auch die Vernetzung der Jugendlichen unter einander. Bei “Jugend hackt” treffen sie auf Gleichgesinnte und lernen, dass sie nicht nur Teil dieser digitalen Welt sind, sondern diese auch mitgestalten dürfen und sollen. Dabei präsentieren Medien oftmals ein verzerrtes Bild der Hacker-Kultur, stellen sie als böse dar und sprechen von Datenmissbrauch. Hacken bedeutet aber in dem Sinne nichts anderes als Daten und Informationen zu hinterfragen und zu überlegen, wie man mit den Daten neue Lösungen entwickeln kann. Lösungen für eine bessere Welt. “Jugend hackt” zeigt durch die Unterstützung von verschiedenen Förderern, so auch DIVSI, den Jugendlichen folglich einen Weg, wie sie ihre Fähigkeiten für positive Zwecke einsetzen können. Die Jugendlichen entwickeln ihre eigenen Ideen und setzen diese prototypisch um. Es gehen natürlich Dinge schief, aber das ist auch gut so. Das Ziel am Ende des Hackathons ist es nicht ein komplett fertiges Produkt zu haben. Die Jugendlichen sollen auch lernen, dass sie jeder kleine Fehler ihrem Ziel ein Stück näher bringt. Jede Idee ist es wert präsentiert zu werden, denn es geht nicht um Schulnoten, sondern darum sich mit Problemen auseinander zusetzen und Lösungen zu gestalten. Ehrenamtliche und technisch versierte Mentorinnen und Mentoren mit verschiedenen Themenschwerpunkten sind integraler Bestandteil von „Jugend hackt“. Sie stehen den Jugendlichen bei der Umsetzung ihrer Soft- und Hardwareprojekte helfend beiseite.

Jugend hackt

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink

Seit 2015 findet “Jugend hackt” neben dem Hauptevent in Berlin auch regional im Süden, Osten, Westen und Norden Deutschlands statt. Unter dem Motto “Daten, Räume, Köpfe öffnen” haben 70 Teilnehmer/innen Mitte Juni im Hamburger betahaus den Norden zum zweiten Mal gehackt und in 44 Stunden zusammen mit ihren 24 Mentor/innen an zwei Tagen 16 fantastische Projekte entwickelt.

Projekte wie SMIKE und Stachelfrucht, ein Fahrrad-Diebstahl System, lassen keinen Zweifel daran, dass sich die Jugendlichen Gedanken machen um ihre Mitmenschen und wie sie die Gesellschaft mit ihrem Code ein Stückchen besser, mobiler und sicherer machen können. SMIKE passt während des Fahrens den Rhythmus von Musik an die Trittgeschwindigkeit an und wurde mit dem Preis in der Kategorie „AHA-Moment“ prämiert. Den Preis in der Kategorie „Mit Code die Welt verbessern“ hat Worldation gewonnen. Die Idee des Teams ist es, das Spenden weltweit einfacher und attraktiver zu gestalten. Dass die Organisation von Vertretungsplänen, Stundenausfällen und Wecksystemen die Jugendlichen sehr bewegt zeigt die sensationelle Interaktion der Projekte untereinander. Vier Teams haben gemeinsam ein umfassendes Wecksystem geschaffen, dass die Weckzeit äußeren Bedingungen wie Wetter, Verkehr und Stundenausfall anpasst. Austausch und Innovation wurde so teamübergreifend geübt und mit dem Sonderpreis in der Kategorie „Offene Daten, Offene Räume, Offene Köpfe“ ausgezeichnet.

Digitale Mündigkeit

Im offenen Raum von Jugend hackt Nord sind tolle Projekte auf Basis von offenen Daten und den offenen Köpfen der Jugendlichen entstanden. Die Vernetzung der Projekte und die Vielfalt der Ideen ist der beste Beweis dafür, dass die Junghacker/innen um die Ecke gedacht haben und mit ihrem Projekt unsere Welt ein kleines Stückchen besser machen. Gemeinsam nehmen sie Teil an der digitalen Gesellschaft und das weitaus mehr als nur durch soziale digitale Netzwerke. Besonders technisch versierte Jugendliche, die Nerds, stehen mit ihrem Interesse häufig alleine da. “Jugend hackt” bietet diesen Jugendlichen die Möglichkeit sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen und auszutauschen. Als Teil einer Gemeinschaft erleben sie, dass Ideen auch umgesetzt werden und erfahren, dass ihre Teilhabe in dieser Gesellschaft wichtig ist. Die öffentliche Präsentation am Ende der Veranstaltung bestätigt und motiviert die Junghacker/innen. Sie spüren, dass sie mit ihren Ideen wirklich etwas bewirken können. Zusätzlichen Input zu relevanten Themen wie Hacker-Ethik, Virtual Reality oder Datenüberwachung bekommen die Teilnehmer/innen durch verschiedenste Vorträge und Workshopformate. „Jugend hackt“ fördert die digitale Teilhabe und Gestaltung genau durch diese positiven Erfahrungen und informativen Wissenstransfer und dadurch die digitale Mündigkeit der Jugendlichen (Stark, 2016).

Wie es wäre wenn ich heute noch einmal 12 wäre? Ich würde an “Jugend hackt” teilnehmen und meine digitale Zukunft mitgestalten. Mein Berufswunsch wäre irgendetwas mit hacken. Ich wäre gern ein Nerd.

 

Netzwerktechnik (Lightning Talk 2015)

In zwei Wochen beginnt Jugend hackt! Bis dahin schaut euch doch den Lightning Talk aus dem letzten Jahr von Wetterfrosch an. Wetter ist u.a. Autor bei netzpolitik.org und seit Jahren unser Netzwerker – und konsequenterweise deshalb ziemlich fit beim Thema Netzwerktechnik. Schaut rein!