Radmesser: Messen, wo Autos Radfahrer eng überholen – Hendrik Lehmann (Lightning Talk 2018)

Hendrik Lehmann ist Journalist und leitet das “Innovation Lab” der Berliner Tageszeitung Tagesspiegel. Er macht Datenjournalismus – beziehungsweise mit dem Projekt Radmesser sogar “Sensorjournalismus”.

Das Problem: Gefühlt lebt man als Radfahrer*in in Berlin gefährlich – vor allem Autos scheinen oft viel enger zu überholen, als sie es dürfen. Außer den Unfallzahlen gibt es jedoch kaum relevante Daten zum Verhalten der Verkehrsteilnehmer*innen. Die gefühlte Unsicherheit lässt sich nicht messen oder belegen.

Die Lösung: Ein Eigenbau-Sensor für’s Fahrrad. Drei Ultraschallsensoren messen den Abstand nach links und rechts, ein Smartphone bestimmt die Position und erkennt im Fall der Überholung über die Kamera, ob es ein Auto war. Aus Datenjournalist*innen werden Maker*innen, die 100 Sensorboxen mit Arduino inside löten.

Die Messung: Citizen Science in Aktion: 2500 Kandidat*innen wollten, 100 durften ihre Räder mit den Sensorboxen ausstatten, gleichmäßig verteilt über Alter, Geschlecht, Berliner Bezirk, Fahrgewohnheiten. Rund 16.000 Überholvorgänge werden in knapp drei Monaten aufgezeichnet, als Open Data zur Weiternutzung veröffentlicht.

Die Auswertung: Als Hendrik seinen Lightning Talk hielt, lief die Messung noch. Aus den Ergebnissen haben die Datenjournalist*innen des Tagesspiegels später viele Erkenntnisse gezogen, vor allem, dass Autos bei mehr als der Hälfte aller Überholvorgänge zu nah am Rad sind. Genauer steht es in den bisher neun interaktiven Stories zum Projekt Radmesser.

Das Video bei Youtube und auf media.ccc.de.

Lab-Vorstellung: Das Verschwörhaus in Ulm

Im Sommer starten die Jugend hackt-Labs als feste Standorte mit einem stetigen Angebot für die lokale Jugend hackt-Community. Unsere zwei Pilot-Labs entstehen in Ulm und Fürstenberg. Hier stellt sich das Team aus Ulm vor.

Das Verschwörhaus ist ein Ort für alle Menschen, die Lust auf Selbermachen, Digitales und Technik haben. Mitten in Ulm kann man auf zwei Stockwerken allerlei Dinge tun: Aus alten Klamotten Neues machen beim Upcycling-Nähcafé, bunt leuchtende Deko löten im Elektroniklabor, Lampenschirme 3D-drucken, an Wikipedia mitarbeiten, Architekturmodelle schneiden mit dem Lasercutter, Möbel bauen in der Holzwerkstatt … und noch viel mehr!

Wir mögen buntes Licht! Hinter dem kleinen Schaufenster verstecken sich große Räumlichkeiten. Foto: Silvan Reiser

2015 hatten wir das erste Jugend hackt in Ulm veranstaltet; damals mit einem Orgateam aus drei Studierenden in den Räumen der Uni. Für unser Jugend hackt wollten wir unbedingt einen Lasercutter ausleihen – aber nirgends in Ulm war einer zu bekommen. Da schworen wir: Diese Stadt braucht endlich einen Makespace, damit wir eine anständig ausgestattete Werkstatt bei Jugend hackt haben können!

Der alte Tresorraum der Sparkasse wurde zu unserer Werkstatt.

Wir waren damit auch nicht alleine: Ungefähr seit 2010 gab es in Ulm bereits eine Reihe von Open-Data-Aktivist*innen, die ebenfalls ein Zuhause suchten. Und dann schrieben wir tatsächlich einen Antrag an den Gemeinderat, um Finanzierung und Räume für das Projekt zu bekommen. Erfolgreich! Im Juli 2016 war es soweit, aus zwei Stockwerken voller verstaubter Büros der ehemaligen Sparkasse wurde das Verschwörhaus!

Auf knapp 400 m² haben wir seither Stück für Stück die Räume aus- und umgebaut, Geräte eingerichtet und vor allem auch Programm gestaltet. Vom Bewerbungscafé für Geflüchtete mit der Caritas über Wikidata-Workshops bis zum Sensorik-Workshop mit dem freien The Things Network reicht das Programm. Gerne auch gemeinsam mit der Stadt selbst, damit die Ulmer*innen auch selber mitbestimmen und -gestalten können, wie die Zukunftsstadt Ulm aussehen soll – und nicht etwa irgendwelche Businessleute. Unser Herz schlägt dabei aber immer ganz heftig für alles, was mit Jugendmedienbildung zu tun hat. Denn die Stimmung, die bei Jugend hackt an einem Wochenende herrscht, hätten wir gerne viel häufiger im Haus!

Als Jugend hackt-Lab haben wir jetzt die wunderbare Chance, von Grund auf ein Konzept mitzuentwickeln, wie Jugend hackt als regelmäßiges Angebot für Jugendliche im Raum Ulm aussehen kann. Dabei wollen wir einerseits unserem Jugend hackt-Motto „Mit Code die Welt verbessern“ treu bleiben (und freuen uns auf eure tollen Ideen und Projekte), aber das Lab auch als besonders anfänger*innenfreundlich gestalten. Denn jede*r ist mal Anfänger*in, und traut sich vielleicht nicht gleich zu, bei einem Jugend hackt-Wochenende mitzumachen.

Sei gespannt auf ein Programm aus Workshops und offenen Treffs ab Juli! Bestimmt wird auch unser aktuelles Jahresthema rund um Umwelt, Klima und fridaysforfuture eine Rolle spielen.

Hast du eigene Themenwünsche und Ideen? Schreib uns! Per Mail an lab-ulm@jugendhackt.org, auf Twitter an @jhacktulm oder hier. Wir freuen uns auf ein baldiges Jugend hackt Lab mit euch!

Jugend hackt im Verschwörhaus…
Foto: Holger Dorn

…bald noch öfter \o/
Foto: Holger Dorn

PS: Fragst du dich jetzt warum das Verschwörhaus eigentlich Verschwörhaus heißt? Wir sind gespannt, ob du es herausfinden kannst. Tipp: such uns auf OpenStreetMap. Gefunden? Schreib die Lösung in die Kommentare :)

Wir wollen dich: Diversity-Plätze bei Jugend hackt

Wir freuen uns, dass schon die ersten Bewerbungen auf unsere vielen Events dieses Jahr hereinflattern. In dem Zuge wollen wir uns nochmal die Zeit nehmen, um mit euch über etwas zu reden, das uns sehr am Herzen liegt: Technik bereichert unseren Lebensalltag und hat das Potenzial, unsere Gesellschaft zu stärken und zu verbessern. Jedoch sieht die Technik- und Programmier-Community nicht so vielfältig aus, wie unser Zusammenleben tatsächlich ist.

Das liegt an vielen verschiedenen Dingen, zum Beispiel auch daran, dass schon als Kinder viele Jungen mit technischem Interesse gefördert werden. Dagegen müssen sich viele Mädchen, die Technik mögen, erst durchsetzen. Auch wie viel Zeit und Geld eine Familie hat, hat viel Einfluss darauf, wie leicht man es in der Schule hat, und wie stark eigene Interessen gefördert werden. Wer also nicht so viel Zeit, Geld oder Unterstützung hat, hat oft weniger Möglichkeiten, sich mit Technik zu beschäftigen, auch wenn das Interesse dafür da ist.

Foto: Leonard Wolf, Lizenz: CC BY 4.0

Wir bei Jugend hackt wollen es gerne allen technikbegeisterten Jugendlichen möglich machen, Teil dieser Community und unserer Events zu werden! Deswegen haben wir dieses Jahr wieder für alle Events Diversity-Plätze reserviert. Das bedeutet, wir halten bei der Anmeldung bewusst Plätze frei für Jugendliche, denen wir mehr Zugang zu Technik und Programmieren ermöglichen wollen, den sie in ihrem Alltag nicht haben.

Junge Menschen, die weniger Zugang zu Technik oder Chancen zum Programmieren lernen haben, können zum Beispiel Mädchen, Jugendliche mit Fluchterfahrung, Jugendliche mit Behinderung oder Jugendliche mit einem Migrationshintergrund sein. Oder Jugendliche, die aus ganz anderen und unterschiedlichen Gründen in unserer Gesellschaft eher benachteiligt werden.

Eure Ideen und euer Interesse an Technik sind sehr wertvoll und wichtig für uns und die Gesellschaft und wir freuen uns, wenn ihr sie auf unseren Events verwirklichen könnt!

Wenn du denkst, dass ein Diversity-Platz etwas für dich ist und du Lust auf die Teilnahme an einem oderer mehreren der Jugend hackt-Events hast oder du andere Jugendliche kennst, auf die das zutreffen würde, dann schreib uns doch eine E-Mail an diversity@jugendhackt.org!

Events haben wir übrigens in Köln, Rostock, Frankfurt am Main, Schaffhausen in der Schweiz, Hamburg, Berlin, Heidelberg, Halle/Saale und Ulm – hier ist die Übersicht.

Unser großes jährliches Event steht Anfang Oktober in Berlin an – wir würden uns sehr freuen, wenn du dabei sein willst:

Infos zu Berlin

Die Events in Berlin, Hamburg, Ulm, Rostock, Heidelberg und Schaffhausen sind entweder komplett oder teilweise barrierefrei. Für Frankfurt haben wir leider noch keine Angaben und die Events in Köln und Halle werden leider nicht barrierefrei sein. Falls du besondere, barrierefreie Maßnahmen benötigst, setze dich gerne mit uns in Verbindung und wir überlegen gemeinsam, wie wir deine Teilnahme am besten gestalten können!

Warum wir denken, dass das wichtig ist, kannst du in unserem Code of Conduct nachlesen.

Du bist dir noch nicht sicher, ob Jugend hackt das Richtige für dich ist? Dann lass dich von unseren Teilnehmer*innen Rebecca, Mareike und Abraham überzeugen: