Die Geschichte von Jugend hackt

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von Daniel Seitz

Es begann mit einem Event, dann wurden es mehr, hinzu kamen Austauschprogramme und zuletzt auch die neuen Jugend hackt Labs. Das ist unsere Geschichte – bis jetzt.

Jugend hackt Events

„Programmieren, basteln und wenig schlafen: Mehr als 60 Jugendliche trafen sich am Wochenende in Berlin zu „Jugend hackt“. Sie entwickelten eigene Anwendungen – und steuerten ein Computerspiel mit Bananen.“ – so titelte der Spiegel zum ersten Jugend hackt jemals. Es war 2013. Und während viele Talente ganz natürlich und schon lange gefördert wurden – Jugend forscht, Jugend musiziert, Jugend debattiert uvm. – mussten junge Menschen, die gerne mit Technologie Gesellschaft gestalten wollten, noch immer auf Anerkennung warten. Das wollten wir mit Jugend hackt ändern und einen Raum für junge Menschen schaffen, wo ihre Ideen und Projekte im Zentrum stehen, wo ihre Werte und Ideen für eine bessere digitale Gesellschaft eine Bühne bekommen. 

Der Blick von oben auf die Arbeitsinseln beim Berliner Event 2013.
Jugend hackt 2013

Obwohl wir eine lose Ahnung hatten, dass es für ein solches Angebot einen Bedarf geben könnte, wussten wir nicht, wie hoch er tatsächlich war und starteten beim 2013 mit vorsichtigen 60 Plätzen. Am Ende meldeten sich mehr Jugendliche an, als wir aufnehmen konnten. Und es war großartig. Die netzpolitische Szene war damals in einer tiefen Depression, gerade erst hatte Snowden die NSA-Dokumente veröffentlicht und damit bestätigt, was viele ahnten. Wir lebten (und leben) in einer vollüberwachten Welt.

Event-Archiv

Wir haben alle Events ausführlich dokumentiert: Zu fast allen Veranstaltungen seit 2013 gibt es einen Rückblick und Videos der dort entstandenen Projekte.

Events aufrufen

Unseren Mentor*innen, die zu großen Teilen aus genau dieser netzpolitischen Szene stammen, konnten die aufgeweckten Jung-Hacker*innen dennoch Leuchten in die Augen zaubern. Ein Lichtblick: „Wenn das die zukünftige Generation ist, gibt es noch Hoffnung“ ist ein häufig zitierter Satz aus dieser Zeit.

Diese Begeisterung hat sich gleich übertragen – und so kamen viele spannende Einzelpersonen und Organisationen auf uns zu. Damit entstand ein großes, dezentrales Netzwerk aus engagierten Menschen und Institutionen, die seit 2015 eigene Events in enger Kooperation veranstalten und so in Deutschland, Österreich und der Schweiz jährliche Angebote für technologiebegeisterte junge Menschen schaffen und gemeinsam die Themen Code-Literacy, Hacker*innen-Ethik und Verantwortung in einer digitalen Gesellschaft weiterdenken.

Die Entwicklung:

  • 2013 erstes Event in Berlin mit 60 Teilnehmenden
  • 2014 zweites Event in Berlin mit 120 Teilnehmenden und erste wissenschaftliche Evaluation
  • 2015 Events in Süd (Ulm), Nord (Hamburg), Ost (Dresden) und West (Köln) mit jeweils 30 bis 50 Teilnehmenden, Berlin mit 140 Teilnehmenden
  • 2016 neue Events in der Schweiz (Zürich) und Österreich (Linz); Events in Süd (Ulm), Nord (Hamburg), Ost (Dresden) und West (Köln) mit jeweils 35 bis 70 Teilnehmenden, Berlin mit 140 Teilnehmenden
  • 2017 neue Events in Frankfurt (Main) und Halle, Events in Ulm, Köln, Hamburg, Linz, Zürich und Berlin
  • 2018 – neue Events in Schwerin, Heidelberg und Schaffhausen (Schweiz); Events in Frankfurt/Main, Halle, Köln, Ulm und Berlin
  • 2019 – neues Event in Rostock (Veranstaltungsort in Mecklenburg-Vorpommern wandert), Events in Heidelberg, Schaffhausen (Schweiz), Linz (Österreich), Frankfurt/Main, Hamburg, Halle, Köln, Ulm und Berlin
  • 2020 – neues Event in München sowie das Event „Mädchen vernetzen“ in Jülich. Fortsetzung folgt.

Jugend hackt Vernetzte Welten

Schon von Beginn war Jugend hackt international ausgerichtet. Die beiden ersten Events haben wir noch in Kooperation mit einer englischen NGO, Young Rewired State, inklusive Jugendaustausch, veranstaltet. Seit 2016 kooperieren wir mit dem Goethe-Institut und konnten so bereits junge Menschen in Süd-Korea, Japan, Hongkong, Taiwan, Sri Lanka und Indien zusammen bringen, um z.B. über den Schüler*innen-Austausch der Zukunft oder „Food-Revolution“ nachzudenken und gemeinsam Projekte zu entwickeln. 

Austausch-Archiv

Ob wir in andere Länder gereist sind oder Besuch bei uns begrüßen durften: Hier gibt es weitere Informationen über Vernetzte Welten und unsere Kooperation mit re:coded.

Austausche aufrufen

Darüber hinaus kooperieren wir seit 2018 mit re:coded und können so ein Austauschprogramm für Jugendliche aus der Türkei anbieten, die gemeinsam mit deutschen Jugendlichen spannende Organisationen in Berlin wie Mozilla, Cadus uvm. besuchten, um dann gemeinsam am Berliner Event teilzunehmen. Wir freuen uns, diese Kooperationen und weitere noch auszubauen – denn wir glauben fest daran, dass das Feld, in dem wir uns bewegen, nur gemeinsam gestaltet werden kann. Dafür bauen wir eine Community junger technologiebegeisterter Menschen weltweit auf.

  • 2016 – Seoul (Süd-Korea)
  • 2017 – Tokio (Japan), Taipeh (Taiwan), Hongkong
  • 2018 – re:coded (Teilnehmer*innen aus der Türkei) in Berlin
  • 2019 – Vernetzte Welten in Colombo (Sri Lanka), Delhi und Kolkata (Indien), Seoul (Süd-Korea), Tokio (Japan); re:coded (Teilnehmer*innen aus der Türkei) in Berlin

Jugend hackt Labs

Über den engen Austausch mit der Jugend hackt Zielgruppe und bei der Analyse derer, die wir nicht erreichen, haben wir zwei Bedarfe festgestellt. Zum einen braucht es noch viel mehr und viel frühere Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Chancen von Technologie, um vor allem auch die Diversität zu erhöhen und früh negativen Framings wie „Technik ist nichts für Mädchen“ begegnen zu können. Aus dieser Beobachtung heraus haben wir 2017 gemeinsam mit der Fachstelle für Jugendmedienkultur in NRW Jugend hackt Hello World gegründet.

Jugend hackt Labs

Derzeit gibt es zwei Lab-Standorte, Fürstenberg und Ulm, die etwa alle zwei Wochen zu offenen Terminen und Workshops einladen.

Lab-Programm

Mittlerweile hat sich Hello World als eigenständiges Programm etabliert, losgelöst, aber in enger Kooperation mit Jugend hackt. Damit können sich die beiden Programme noch stärker auf ihre jeweiligen Kernzielgruppen und Stärken konzentrieren. 

Eine der häufigsten Rückmeldungen der Teilnehmenden unserer Events war: Wir wollen mehr! Mehr Zeit, um unsere Projekte zu entwickeln, mehr Austausch, mehr Angebote, mehr in unserer Region. Deshalb haben wir 2019 die Labs als ganzjährige Angebote gestartet, wo genau das möglich ist: (weiter-)entwickeln eigener Projekte, Austausch, zusammen abhängen, Neues ausdenken.

Erst einmal an zwei Standorten, um in Ruhe austesten zu können, was gut funktioniert und was nicht. In den nächsten Jahren würden wir uns aber freuen, wenn noch sehr viel mehr Labs entstehen können. Unsere Erfahrung der letzten Jahre zeigt uns nämlich, dass es einen enormen Bedarf bei den Jugendlichen gibt, gleichzeitig entstehen an vielen Orten Make- und Hackspaces, die sich auch für junge Menschen öffnen möchten – das Potential ist also riesig.

  • 2018 – Konzeption der Labs (dank SKala-Förderung)  und Ausschreibung der ersten beiden Labregionen
  • 2019 – Start der ersten beiden Labs in Fürstenberg/Havel und Ulm, Neustart der Online-Community mit regelmässigen Angeboten
  • 2020 – Start weiterer vier Labs

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