Jugend hackt in Hamburg – zehn tolle Projekte zum Jahresmotto „Echt oder falsch?“

Am Wochenende vom 9.- 11. Juni 2017 trafen sich 60 Jugendliche bei Jugend hackt in Hamburg, um mit Code die Welt zu verbessern. Unter dem diesjährigen Motto ”Echt oder falsch?”  entwickelten die Teilnehmer*innen in 44 Stunden beeindruckende Projekte, u.a. zu Themen wie Überwachung, Fake News und Datenschutz.

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink

 

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink

Bereits im dritten Jahr in Folge kamen am letzten Wochenende in Hamburg programmierbegeisterte Jugendliche aus ganz Norddeutschland zusammen, um zu hacken, zu tüfteln und um mit Code die Welt zu verbessern. Wie kann man eigentlich… über Fake News aufklären? Whistleblower schützen? Überwachungskameras überwachen? Schule endlich digitalisieren? Ozeane und Städte von Müll befreien? Auf diese und viele weitere spannende Fragen, haben die Jugendlichen eine Antwort gefunden. Die 12-18 jährigen Junghacker*innen starteten am Freitag nach einer Begrüßungs- und Kennenlernrunde mit einer Diskussion rund um das Thema Hackerethik. Moderiert von Dorina und Dodger vom Chaos Computer Club, beteiligten sich die Jugendlichen mit vielen spannenden Kommentaren und Perspektiven u.a. zum Thema Datenschutz, Privatsphäre und Big Data. Denn es gilt Technologien nicht nur zu nutzen und anzuwenden, sondern auch zu hinterfragen und unter ethischen Gesichtspunkten zu betrachten.

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink

Abends wurden in der Brainstormingphase viele tolle Ideen ausgearbeitet und den anderen Teilnehmer*innen vorgestellt.  Am Samstag fanden sich dann die Teams zusammen, um den restlichen Tag an ihren Projekten zu arbeiten. Es wurde gehackt, getüftelt, gelötet, viele LEDs zum Leuchten gebracht und sogar eigene Bauteile am Computer entworfen und mit dem Lasercutter ausgeschnitten. Die Jugendlichen wurden über das gesamte Wochenende von 23 erfahrenen Mentor*innen begleitet, welche die Teams bei der Projektentwicklung und -umsetzung mit ihrem Fachwissen und ihrer  Expertise zur Seite standen.

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink

Am Sonntag kamen im betahaus Hamburg schließlich ca. 130 Gäste  zur öffentlich Präsentation der Projekte zusammen. Während die Teams ihre Projekte auf der Bühne präsentierten, kamen so manche Eltern ins Stauen, an was für grandiosen Ideen und Projekten ihre Kinder an diesem Wochenende gearbeitet hatten. Und nicht nur die Zuschauer in Hamburg feierten die Projekte, auch im Livestream und per Twitter, gab es viel Applaus für alle Teilnehmer*innen.

Projekte

Das Team Camera-warner widmete sich einem brandaktuellen Thema und rief dazu auf, die „Überwachung zu überwachen“. Das Team entwickelte eine Android-App, welche einen informiert, sobald man von einer öffentlichen Überwachungskamera beobachtet wird. Es ist geplant, die Funktionalität ggf. durch eine Smart-watch App zu erweitern.

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink

Das Team Datenparty will über Fake News aufklären und diese erkenntlich machen. In der entwickelten Webseite und App sollen Nachrichten aus verschiedenen Quellen aggregiert werden. Diese sollen dann nach bestimmten Kriterien klassifiziert und mit einem Farbcode hinsichtlich Wahrheitsgehalt und Vertrauenswürdigkeit gekennzeichnet werden.

Das Team Newsbox entwickelte aus einem Raspberry Pi und einem Touch Display ein Nachrichtenportal für das Büro oder Wohnzimmer. Die Webanwendung zeigt übersichtliche Nachrichten zu ausgewählten Themen und erleichtert die schnelle Informationsaufnahme. Die im Prototypen verwendeten Nachrichten wurden dabei von dem Projekt Datenparty geliefert.

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink

Das Team InvisibleTrackingDots entwickelte ein Programm um Druckerwasserzeichen zu verfälschen. Handelsübliche Laserdrucker bedrucken jedes Blatt mit Wasserzeichen, eine unsichtbare Matrix aus kleinen gelben Punkten.  Aus diesen Punkten lassen sich Uhrzeit, Datum und Adresse des Druckers ableiten. Das vom Team entwickelte Makro stört diese Punkte, indem es zufällige Punkte im selben Farbton wie die sogenannten „Tracking Dots“ auf das Dokument verteilt. Besondere Aktualität hat dieses Projekt, da erst vor wenigen Wochen eine Whistleblowerin in den USA, durch eben diese Markierungen enttarnt und überführt wurde. Die 25 jährige Reality Winner soll ein geheimes Dokument der NSA über russische Hackerangriffe an Journalisten weitergegeben haben. Das entwickelte Tool könnte möglicherweise helfen, Whistleblower und alle die nicht getrackt werden wollen zu schützen.  

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink

Das Team LithiumBuoy hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebenszeit von Lithium-Akkus in Handys zu verlängern. Durch eine entwickelte App und ein Steckdosengadget kann das Ladeintervall zeitlich abgestimmt und der Akku-Ladezustand limitiert werden, so dass dadurch die Akku-Lebensdauer verlängert wird.

Das Team Schoolallroundsystem nahm es sich zu Herzen, die Schule endlich zu digitalisieren und entwickelte kurzerhand ein Schulsystem um Informationen für Schüler*innen und Lehrer*innen online zugänglich zu machen. So können sich Lehrkräfte über das System krank melden und das System sucht eine passende Vertretung. Ebenfalls können Lehrkräfte Hausaufgaben eintragen und Schüler können ihre Noten einsehen und z.B. automatisch ihren Durchschnitt berechnen lassen u.v.m.

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink

Das Team WorldCleanUp hatte sich ganz dem Umweltschutz verschrieben. So kann mit der entwickelten Android und Web App Müll auf dem Meer und in der Stadt identifiziert werden und Nutzer werden motiviert, sich zum Müll-Einsammeln zu treffen!

Das Team Smombie2Go entwickelte eine innovative Handyhülle, die viele Unfälle vermeidbar macht: Wer das nächste Mal mit dem Smartphone in der Hand auf der Straße unterwegs ist, wird nun durch Ultraschallsensoren mit optischen und akustischen Signalen über Hindernisse informiert und gewarnt.  

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink

Das Team InstantHelp (App + Webseite) vermittelt in Echtzeit richtige Antworten auf brennende Fragen u.a. im Bereich “Nachhilfe”. Nutzer können Fragen posten und mögliche Expert*innen/Nachhilfelehrer*innen bekommen einen Pushnachicht. Die Nutzer*innen bekommen dann in Echtzeit alle Experten*innen in seinem Suchradius angezeigt und können sich zeitnah physisch treffen.

Das Team Post-It entwickelte ein familienfreundliches Familienmanagentsystem mit digitaler Aufgabenverteilung, Einkaufszettel und Treffpunktfunktion für Familien, welche als Webapplikation (HTML, CSS, Javascript, Php) umgesetzte wurde.

Mehr Infos zu Jugend hackt in Hamburg 2017

  • Die Fotos des Wochenendes gibt es hier zu sehen.
  • Die Präsentationen aller Projekte kann man auf YouTube und media.ccc nachschauen.
  • Alle entstandenen Projekte können auf Hackdash bewundert werden.

Alle Jugendlichen präsentierten anschaulich ihre Ergebnisse und begeisterten mit ihren Ideen die Gäste!  Die beeindruckenden Projekte zeigen, dass Themen wie Datenschutz und Überwachung, Fake News und „alternative Fakten“, Umweltschutz, Digitalisierung und Bildung die Jugendlichen beschäftigen und anregen, eigene Ideen und Lösungen zu entwickeln. Auch wurde das Format Jugend hackt von vielen Eltern sehr gelobt und sie bedankten sich, dass ihre programmierbegeisterten Kinder Gleichgesinnte treffen. Wirft man einen Blick auf die Anmeldedaten, stellt man fest, dass die meisten Teilnehmer*innen alleine kommen und oft die einzigen ihrer Schule sind. Umso wichtiger ist es, den Jugendlichen einen Raum zu geben, indem sie sich vernetzen und austauschen können. Wir freuen uns, den Jugendlichen den Ort, den Zuspruch und die Plattform dafür zu geben, ihre eigenen Ideen mit Gleichgesinnten technisch umzusetzen und ihre Vision einer besseren Welt zu gestalten. Wir möchten sie befähigen und ermutigen ihre Zukunft aktiv mit zu bestimmen und sich in die Gesellschaft einzubringen.

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink

Jugend hackt in Hamburg sagt Danke!

Jugend hackt in Hamburg sagt Danke für ein unglaublich inspirierendes und großartiges Wochenende! Mit viel Durchhaltevermögen und Ehrgeiz haben die Jugendlichen und ihre betreuenden Mentor*innen Unglaubliches auf die Beine gestellt.

Natürlich wäre all das nicht möglich ohne finanzielle Unterstützung. Ein besonderer Dank geht deshalb an all unsere Förderer, wie die Joachim Herz Stiftung, die Körber-Stiftung, codecentric, eSailors, das Jugendinformationszentrum Hamburg und vielen weiteren Unterstützer*innen, die uns helfend zur Seite stehen.

CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Sandra Schink

P.S. Wir sind stolz, seit letztem Wochenende „Anni“ in unserer Jugend hackt Familie begrüßen zu dürfen! Dank unserem engagierten Mentor Boris, konnte Jugend hackt eine Patenschaft für die hinreißende Alpaka-Stute „Anni“ übernehmen.

 

Kommentare sind geschlossen.